6. Kapellchen Ortsausgang Bad Breisig: Devon, Fazies und Fauna, Fossiliensuchen

Wo: Den Aufschluss erreicht man über den Bad Breisiger Stadtteil Rheineck hindurch in Richtung Gönnersdorf. Am Ortsausgang von Rheineck ist vor der Rechtskurve der Strasse, hinter einer Handlung mit historischen Steimetzarbeiten, rechts eine kleine Parkbucht. Von heir aus direkter Zugang zu einem größeren, aufgelassenen und stark verwachsenen Steinbuch

Geokoordinaten: 7.31011/50.49299; 106 m ü. NN

Betreuer:    Prof. Dr. Jes Rust, Prof. Dr. Martin Langer


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Abb: Anfahrt: Google Maps


Seeskorpione, Panzerfische und Nacktfarne - Lebensformen an der Küste des Old-Red-Kontinentes...
Das Vinxtbachtal

Der breite Küstenbereich. der zur Zeit des Unterdevons dem großen nördlichen „Old-Red-Festland " vorgelagert war, ist mit seinen Ablagerungsgesteinen im Rheinischen Schiefergebirge unter anderem im Gebiet der Eifel und des Bergischen Landes erschlossen. Auch weite Gebiete des Mittelrhein-Tales bestehen aus Sedimentgesteinen des küstennahen Flachmeeres und des Litoral-(Strand)-Bereiches des Meeres, das der Old-Red-Küste nach Süden hin vorgelagert war.

Abb.5.1: Ein imposanter Aufschluss am Kapellchen Rheineck. Die steilgestellten Wattenmeerablagerungen führen sehr häufig Pflanzenreste und Muscheln. Foto: KFS
Abb.5.1: Ein imposanter Aufschluss am Kapellchen Rheineck. Die steilgestellten Wattenmeerablagerungen führen sehr häufig Pflanzenreste und Muscheln. Foto: KFS

Der Steinbruch im unteren Vinxtbachtal bei Rheineck ist in Gesteinen angelegt worden, die in diesem breiten Küstenbereich entstanden. Es sind überwiegend Sandsteine und Schiefer des Unterdevons. Die Schichten gehören zur Siegen-Stufe des Unteren Devons (in der modernen geologischen Literatur als „Pragium" bezeichnet). Geologisch befinden wir uns hier im Bereich des "Siegerländer Hauptsattels". Das Gebiet liegt nordöstlich des Beckens von Neuwied, das mit wesentlich jüngeren Sedimenten gefüllt und von jungen vulkanischen Bildungen des Osteifel-Vulkanismus bedeckt wird. Einzelne Bildungen der Osteifel-Vulkane erreichen auch noch das Vinxtbachtal. Die Umrandung des Tales wird ausschließlich durch die etwa 400 Ma alten Gesteine des Devons gebildet, die nur auf den angrenzenden Höhen von feinen Löß-Sedimenten der Quartärzeit überdeckt werden.

Abb. 5.3: Rekonstruktion von Taeniocarada decheniana, einer der häufigsten Pflanzen im Rheinischen Untrdevon. Grafik: AP
Abb. 5.3: Rekonstruktion von Taeniocarada decheniana, einer der häufigsten Pflanzen im Rheinischen Untrdevon. Grafik: AP

Aufgeschlossen ist eine steil einfallende Folge aus dunkelgrauen Schiefern, Siltsteinen und helleren Sandsteinen. Die Sandsteine kommen in Bänken vor, die Dicken von etwa 10 bis 20 cm haben. Grobkörnigere, etwa konglormeratische Gesteine, sind nicht zu finden. An den Unterseiten der Gesteinsbänke kommen recht häufig kleine Wellenrippeln vor, die flaches Wasser anzeigen. Grabspuren in den Sedimentgesteinen deuten auf intensive Grab- und Fresstätigkeit von Organismen im schlammigen Ausgangssediment hin, das sehr reich an organischer Substanz gewesen ist. Alle Merkmale der Gesteinsabfolge zeigen eine weitläufige und gleichmäßige Gezeiten- oder Watten-Ebene als Sedimentationsraum an. Wahrscheinlich wechselte stärkerer Einfluß des nahen Meeres (solche Lagen führen Brachiopoden) mit Zeiten ab, in denen die Sedimentation eher an Land oder in Küsten-Lagunen ablief (Lagen mit Pflanzen und Modiolopsiden-Muscheln). Die Steilstellung der Abfolge hat ihre Ursachen in der starken Verfaltung der Gesteinsserie während der späteren variszischen Gebirgsbildung. Das gilt auch für die Störungsfläche mit hellem Mineralbesatz, die einen Teil der hohen Steinbruchwand überzieht.
< /p> Abb. 5.4: Rekonstruktion von Zosterophyllum rhenanum, eine binsenartige Pflanze. Sie bevorzugte ähnliche Wuchsorte im rheinischen Unterdevon wie der Queller an der heutigen Nordseeküste. Grafik: AP
Abb. 5.4: Rekonstruktion von Zosterophyllum rhenanum, eine binsenartige Pflanze. Sie bevorzugte ähnliche Wuchsorte im rheinischen Unterdevon wie der Queller an der heutigen Nordseeküste. Grafik: AP

Die Gesteine dieses Aufschlusses führen Reste der ältesten Landpflanzen. der Psilophyten (Abb. 5.3, 5.4 und 5.5). Sie sind, vor allein in dunklen Bänken von Ton- und Siltsteinen, bereichsweise außerordentlich häufig. Allerdings sind sie manchmal nur schwer in größeren Platten zu finden, weil diese Gesteine wegen ihrer Feinkörnigkeit und ihres Reichtums an dicht gepackten Pflanzensprossen tektonisch besonders stark durchbewegt und verfaltet wurden. Die pflanzenreichen dunkleren Horizonte belegen Zeitabschnitte einer stärker kontinentalen oder zumindest sehr küstennahen Sedimentation. In einigen Lagen kommen neben Pflanzenfossilien auch fossile Tiere vor, so die muschelähnlichen Brachiopoden der Gruppe um Rhensellaeria und Muscheln der Gattung Modiolopsis. Sehr häufig werden die Silt- und Feinsandsteine auf den Schichtflächen und senkrecht zur Schichtung von Spuren und Grab-Bauten durchzogen. Die Grabgänge noch unbekannter Urheber sind an den grobkörnigeren sandigen Füllungen in einer insgesamt feinkörnigen Gesteinsgrundmasse gut zu erkennen.
< /p> Abb. 5.5: Zosterophyllum rhenanum aus dem Vinxtbachtal. Foto:GO
Abb. 5.5: Zosterophyllum rhenanum aus dem Vinxtbachtal. Foto:GO

Die Pflanzenfunde dieses und weiterer Aufschlüsse im Rheinischen Devon wurden von dem jüngst verstorbenen Bonner Paläobotaniker H.- J. Schweitzer bearbeitet.

Literatur: Schweitzer, H. J. (1994)
Karten: Wanderkarte des Eifelvereins 1:25000 - Nr.37 Rund um den Laacher See

 

Dies war ein Auszug aus dem Buch :  "Georallye - Spurensuche zur Erdgeschichte"