4. Die Kreuzbornslay bei Brohl: Basaltstrom, Talgeschichte des Rheins

Wo: Den Aufschluss erreicht man von der B9 von Brohl komend, in dem man von der B9 in die parallel dazu verlaufende Koblenzer Straße nach Süden einbiegt und ihr bis zum Ende folgt; dort parkt man am Gedenkstein für die ehemalige Kapelle von Fornich an der ersten Bahnunterführung und folgt dem Rad- und Fussweg weiter nach Süden entlang der B9 bis zur nächsten Bahnunterführung. Nach dem Durchqueren steht man unmitelbar am Fuß der Kreuzbornslay.

Geokoordinaten: 7.34476/50.47061, 86 m ü. NN

Betreuerin:    Cand. Geol. Wellnitz


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Abb.: Anfahrt, Google Maps


Auf halbem Weg zwischen Brohl und Namedy treten am unteren linken Talhang des Rheins dunkle Felsen aus dem stark gelichteten Buchenwald hervor, das Naturdenkmal „Kreuzbornslay“, auch: Fornicher Lay.
Die Felsen der Kreuzbornslay bestehen aus Basalt (genauer: Phlogopit-Leuzit-Basanit: Meyer 1999). In der unteren Partie sieht man die bei Basalten häufige säulige Absonderung. Die Säulen stehen hier senkrecht und verdicken sich nach oben pfeilerartig. In den obersten Partien des Felsens zeigt der Basalt eine schaumig-poröse Ausbildung, wie sie am Dach von Lavaströmen häufig ist. In dem beinahe schwarzen, porösen Gestein erkennt man unter der Lupe (10 x) in der sehr feinkörnigen Grundmasse Einsprenglinge. u.a. von Olivin, Augit und Hornblende.


Massige Basaltsäulen des Basaltstromes der Kreuzbornslay
Abb.51.1 Massige Basaltsäulen des Basaltstromes der Kreuzbornslay

Der Lavastrom entstammt dem Vulkan „Hohe Buche", der oberhalb der Kreuzbornslay auf der Höhe zu finden ist. Bei diesem Vulkan handelt sich um einen Schlackenkegel, wie sie im Ost-Eifeler Vulkangebiet häufig sind. Aus dem Vulkan traten in der Spätphase der vulkanischen Tätigkeit zwei Lavaströme aus: Der nördliche kurze Strom blieb im Wasem-Kopf auf der Höhe; er enthält zahlreiche ehemalige Steinbrüche und endet in einem Blockmeer. Der östliche Lavastrom durchbrach den Schlackenwall und floss in einem Seitental des Hellersbaches zum Rhein hinab. Seine Spur ist in einzelnen Felsen am Weg von der Kreuzbornslay zum Alker Hof zu beobachten. Die dünnflüssige, gasreiche Schmelze kam an dem seinerzeitigen Ufer des Rheins zum Halten und staute sich dort über eine Strecke von 300m fluss- und hangparallel auf und das bis zu einer Höhe von 8 bis 15 m. Die Basis dieses Lavastromes ist heute durch den Quellaustritt unter der Felswand der Kreuzbornslay markiert.

Zeichnung
Abb.51.3: Feldbuchzeichnung der Kreuzbornslay von Johannes Stets. Das Feldbuch, ähnlich geführt wie ein Tagebuch, stellt für den kartierenden Geologen neben der Feldbarte die wichtigste Dokumentation seiner wissenschaftlichen Arbeit dar.

Von Dechen beschrieb 1864, dass beim Bau der Eisenbahn weiter nördlich temporär die Basis des Lavastromes aufgeschlossen war. Das gleiche konnte in unseren Tagen beim Ausbau der Trasse beobachtet werden. Hier lag der Basalt u.a. auf Schottern der Jüngeren Mittelterrasse des Rheins. Damit ist das Alter des Lavastromes auf etwa 100.000 bis 130.000 Jahre eingeengt (Schirmer 1990). Die Qualität des Basaltes und die verkehrsgünstige Lage am Strom veranlassten schon die Römer, an der Kreuzbornslay Steine, u.a. für den Bau der Pfeiler der Trierer Moselbrücke. zu gewinnen.

Auch später, bis in das 19. Jahrhundert, wurden hier und auf der Höhe an der Hohen Buche Steine gebrochen. Sie fanden u.a. im Mauerwerk der gegenüber liegenden Burg Hammerstein (12. Jh.) der Stadtmauer von Andernach (15./16. Jh.) und des Alker Hofes (19. Jh.) Verwendung. Vielleicht wurde das Material auch schon in vorgeschichtlicher Zeit zur Herstellung von Getreidereiben benutzt. Auf die Verwendung als Mühlstein in späterer Zeit weist ein Rohling in einem der Steinbrüche am Wasemer Kopf hin. Am Fuß der Kreuzbornslay sollen bei günstigerer Aufschlusslage Rohlinge von Werksteinen aus römischem Abbau zu finden sein. Mangartz (1998) schätzt, dass bei Fornich seit römischer Zeit 10.000 bis maximal 20.000 m³ Basalt gewonnen wurden.

Wer über die Kreuzbornslay hinaus den Vulkan Hohe Buche erkunden möchte, steigt rechter Hand an der Wand entlang nach oben und folgt dort dem Fahrweg zum Alker Hof; auf der Höhe Wegespinne) hält man sich links (Richtung Süden); an der Grube, die den Schlackenwall des Vulkans angeschnitten hat, beginnt ein geologischer und archäologischer Lehrpfad durch die ehemaligen Steinbrüche am Wasemer Kopf.

Literatur: Meyer. W (1999); Mangartz, F. (1998); Meyer, W. & Stets. J. (1996); Schirmer, W (1990); Dechen, H. v. (1864); Wanderkarte des Eifelvereins 1:25000 —Nr. 27 Rund um den Laacher See

Dies war ein Auszug aus dem Buch :  "Georallye - Spurensuche zur Erdgeschichte"