2. Wanderparkplatz südlich Laacher See: Eiszeitfauna, Paläoklima, Vegetation

Wo: Den Aussichtspunkt am Parkplatz südlich von Maria Laach erreicht man über die A61, Ausfahrt Mendig. Über die L113 Richtung Maria Laach zum Parkplatz "Scharfes Knüppchen" am Südrand des Laacher Kessels.

Geokoordinaten: 7.26687/50.39651; 309 m ü. NN

Betreuer:    Prof. Dr. em Wighart von Koenigswald und Dr. Georg Heumann


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Abb. Anfahrt, Google Maps


Idyllisch liegt der Laacher See eingebettet in eine Waldlandschaft. Bei diesem friedlichen Anblick kann man sich kaum vorstellen. dass die vom Wasser erfüllte Hohlform und die Hügel von einer großen vulkanischen Eruption geformt wurden, die für das Leben rundum zur Katastrophe wurde, weil die mehrere Meter mächtige Aschenschicht alles Leben im Umkreis vieler Kilometer erstickte ( Georallye-Buch Kap. 53 und 54). Die Dicke der Aschenschicht kann man an der Wingertsbergwand gut sehen.

Bick über den Laacher See vom Ostufer. Foto: WvK
Abb.55.1 Bick über den Laacher See vom Ostufer. Foto: WvK

Wie es unmittelbar vor dem Ausbruch ausgesehen hat, ist deswegen so interessant, weil der Ausbruch in die Übergangszeit von der letzten Kaltzeit, der Weichselaltzeit, zur heutigen Warmzeit, dem Holozän, fällt. Herrschten damals noch „eiszeitliche" oder schon warmzeitliche Verhältnisse?

Im Löss, unmittelbar unter dem Bims, wurde bei Ochtendung eine recht reiche Säugetierfauna mit vielen kleinen Säugetieren gefunden. Typisch kaltzeitlichen Arten wie die Lemminge waren darin nicht zu finden. Bei den größeren Arten waren montane Formen wie Steinbock und Murmeltier neben Reh und Rothirsch vertreten. Das lässt auf das Abklingen der kaltzeitlichen Verhältnisse und eine gewisse Bewaldung vor dem Ausbruch des Laacher See Vulkans schließen.

Diese Annahme wird durch die Stämme verkohlter Bäume bestätigt, die schon vor längerer Zeit im Trass des Brohltales (Georallye-Buch Kap. 54), bemerkt wurden. Sie belegen einen lichten Birken-Kiefern-Wald, der mit Traubenkirschen und Zitterpappeln durchsetzt war und eine artenreiche Krautschicht hatte. Die Gewalt der Glutlawinen, der sog. pyroklastischen Ströme, knickte Bäume und Pflanzen ab, riss sie mit sich und bettete sie später ein. Die Stämme, Äste und Blätter wurden in dem mindestens. 350° – 400° C heißen Aschestrom unter Sauerstoffabschluss mehr oder weniger verkohlt. Dennoch sind Details der Rinden und Blätter, wenn auch als Abdruck, sehr gut erhalten (Abb. 55.4). Selbst Blüten sind mit einer deutlichen Struktur ihrer Blütenblätter Überliefert. Daher kann man aus dem Entwicklungsstand der Blätter, Blüten und Früchte den Ausbruch des Laacher See Vulkans auf den Frühsommer, etwa Anfang Juni, datieren.

Die nachgewiesenen Pflanzenarten unmittelbar vor dem Ausbruch des Laacher See Vulkans Grafik: GH
Abb.55.3 Die nachgewiesenen Pflanzenarten unmittelbar vor dem Ausbruch des Laacher See Vulkans Grafik: GH

In den Jahren 1982 – 1987 hat eine Arbeitgruppe um den Archäologen G. Bosinski vom Museum Monrepos besonderes Augenmerk auf die Verhältnisse unter dem Bims gelegt. Sie grub bei Miesenheim einen von der Vulkanexplosion umgeworfenen Wald aus, der weitgehend aus Pappeln bestand. Daneben gab es aber in der feuchten Niederung auch Birken und Weiden. Nach den überlieferten Blütenpollen dürften an trockneren Standorten vor allem Kiefern und Birken gewachsen sein. Ein kleines Steinwerkzeug, ein Federmesser, das wahrscheinlich von der Spitze eines Pfeils stammt, wurde gefunden und belegt, dass auch Menschen in diesem Wald der Jagd nachgingen.

In einer anderen Bimsgrube bei Miesenheim wurde das Skelett eines Elches mit einem kräftigen Geweih entdeckt. Dieses Tier ist aber nicht durch den Vulkanausbruch zu Tode gekommen, weil die Geweihschaufeln von Raubtieren angefressen und die Beine fortgeschleppt waren. Der bevorstehende Vulkanausbruch hatte sich vermutlich durch Erdbeben angekündigt und Tiere und Menschen zur rechtzeitigen Flucht veranlasst. Allerdings sind auch zwischen den relativ dicht aufeinander folgenden Eruptionen Tiere über die frisch gefallene Asche gelaufen. Bei Mertloch, südlich der Autobahn Koblenz-Trier und damit etwas weiter entfernt vom Zentrum des Ausbruchs, wurden Tierfährten auf einer Aschenschicht gefunden, die durch den nächsten Aschenfall konserviert wurden. An den Trittsiegeln lassen sich Hirsche oder Rehe, Pferde, ja sogar ein Braunbär nachweisen. Die Länge der Schrittgröße deutet auf ein geruhsames Laufen in verschiedenen Richtungen hin, belegt also keine panische Flucht. Als Besonderheit zeigt diese Fährtenplatte auch Spuren von Auerhahn und Birkhuhn.

Die wichtigsten Säugetiere, die vor dem Ausbruch das Land bevölkerten. Grafik WvK
Abb.55.4 Die wichtigsten Säugetiere, die vor dem Ausbruch das Land bevölkerten. Grafik WvK

Einen vollständigeren überblick über die Tierwelt kurze Zelt vor dem Ausbruch geben verschiedene Rastplätze mit Feuerstellen des frühen Menschen, an denen die zerschlagenen Knochen der Jagdbeute zusammen mit Steingeräten gefunden wurden. Der Rothirsch stand an oberster Stelle der Jagdfauna, aber auch Pferd, Elch, Steinbock, Reh und Biber wurden nachgewiesen, seltener Gämse und Steinbock. Als Raubtiere traten Wolf und Rotfuchs auf.

Die Befunde aus unterschiedlichen Quellen ergänzen sich gegenseitig und zeigen, dass kurz vor den Ausbruch des Laacher See Vulkans, also vor etwa 13.000 Jahren, die kaltzeitlichen Verhältnisse weitgehend überwunden waren, und der Wald sich im Rheinland auszubreiten begann.

Diese unter der Asche wohl konservierte Momentaufnahme vom Faunen- und Florenbestand kann vorzüglich in die klimatische Entwicklung am Ende der letzten Kaltzeit bzw. dem Übergang zum Holozän eingepasst werden. Dieser Übergang erfolgte nicht gleichmäßig, sondern mit mehreren Kälterückschlägen. Dies lässt sich besonders gut aus Pollenprofilen ablesen. In den feinkörnigen Seeablagerungen der Eifel-Maare und in vielen Mooren hat sich der Blütenpollen besonders gut erhalten und kann quantitativ ausgewertet werden. Dabei bildet die Aschenlage des Laacher See Ausbruchs einen gut sichtbaren Leithorizont. Demnach fällt der Ausbruch dieses Vulkans in das Alleröd, eine Wärmeschwankung im ausgehenden Weichselglazial. Damit war die Kaltzeit noch nicht zu Ende, sondern es kam danach nochmals zu einer spürbaren Abkühlung, der jüngeren Dryaszeit, die jünger ist als der Laacher See Ausbruch. Die Pollenprofile zeigen, dass der Wald nochmals fast vollständig verschwand. In dieser letzten Kaltphase wanderten sogar arktische Tierarten, wie Rentier und Lemminge nochmals ein (siehe Georallyebuch, Kap. 46). Erst danach – vor etwa 11.500 Jahren – verbesserte sich das Klima zur derzeit anhaltenden Warmzeit, dem Holozän.

Literatur: Koenigswald, W. v. (2002);
Bosinski, G. et al. (1995);
Litt, Th. & Stebich, M - (1999),
Schweizer, H. J. (1958)
Wanderkarte des Eifelvereins 1:25.000 — Nr. 27
Rund um den Laacher See

Dies war ein Auszug aus dem Buch :  "Georallye - Spurensuche zur Erdgeschichte"


Aus Anlass der Georallye werden zwei paläontologische Besonderheiten mit Originalmetrial auf dem Parkplatz vorgeführt:

1. Das Mammut von Polch
2. Die Fährten von Mertloch

1. Das Mammut von Polch

Von großer Bedeutung für die Gegend zwischen Mosel und Ahr ist das 1936 bei Polch das gefundene Skelett eines Mammuts. Die Bezeichnung des Autobahnrastplatzes „Mammutgrube“ erinnert daran. Dieses Mammut ist ein typischer Vertreter der eiszeitlichen Tierwelt und hat mehrer Jahrzehntausende vor den Ausbruch des Laacher Sees gelebt, denn vor 13.000 Jahren waren hier Mammute längst verschwunden. Es handelt sich um ein sehr altes Individuum, wie die abgekauten Zähne zeigen, das wahrscheinlich an Altersschwäche eingegangen ist. Die frühere Interpretation, dass dieses Mammut von Urmenschen erjagt worden wäre, lässt sich nicht bestätigen, obwohl der Fundort auf älteren Landkarten noch als „Mammutfanggrube“ vermerkt ist.

Literatur : Koenigswald, W. v.(1989): Das Mammut von Polch bei Mayen (Eifel). ‑ Eiszeitalter u. Gegenwart 39: 87‑97.

Abb. Zusatz1: Unterkiefer des alten Mammuts von Polch
Abb. Zusatz 1: Unterkiefer des alten Mammuts von Polch

2. Die Fährten von Mertloch

Zwischen den Aschlagen des Laacher See Ausbruchs wurden zwischen Mertloch und Polch Tierfährten gefunden. Sie geben einerseits einen Einblick in die Tierwelt zur Zeit des Ausbruchs. An den Trittsiegeln ließen sich Birkhuhn, Braunbär, zahlreiche Pferde, und ein Rothirsch mit einem Kalb identifizieren. Die spuren zeigen aber andererseits, dass zwischen den Ausbruchsphasen des Vulkans Zeiträume eingeschlossen waren, in denen sich die Tiere ohne Panik über die mit Aschen bedeckten Flächen bewegten.

 
Literatur: Baales, M. & A. v. Berg: (1997): Tierfährten in der allerödzeitlichen Vulkanasche des Laacher See-Vulkans bei Mertloch, Kreis Mayen-Koblenz. - Archäologisches Korrepondenzblatt, 27: 1-12,
Baales, M.(2002): Auf der Fährte spätglazialer Pferde bei Mertloch (Neuwieder Becken, Mittelrhein, Deutschland). - Bonner zoologische Beiträge 50: 105-133.


Abb. Zusatz 2: Tierfährten von Birkhuhn und Braunbär aus Mertloch
Abb Zusatz 2: Tierfährten von Birkhuhn und Braunbär aus Mertloch