8.) Laacher See - Geschichte des Laacher Sees

Wo: 56653 Maria Laach, gebührenpflichtiger Parkplatz am Kloster, von dort zu Fuß ca. 300 m bis zum Ufer des Sees (Anlegesteg).

Geokoordinaten:  50°24'23.67"N, 7°15'23.62"E

Betreuer:  Prof. Dr. Thomas Litt und Arbeitsgruppe Paläobotanik


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Idyllisch liegt der Laacher See eingebettet in die Waldlandschaft der Osteifel. Bei diesem friedlichen Anblick kann man sich kaum vorstellen, dass die vom Wasser gefüllte Hohlform und die Hügel ringsum von einer großen vulkanischen Eruption geformt wurden. Diese Eruption wurde für das Leben vor 13.000 Jahren zur Katastrophe, weil die mehrere Meter mächtige Bims- und Aschenschichten alles Leben im Umkreis vieler Kilometer erstickte. Die mächtigen Ascheschichten sind an der Wingertsbergwand südlich des Laacher Sees eindrucksvoll aufgeschlossen.


Abb. 1 Blick über den Laacher See vom Ostufer. Foto: WvK

 

Wie es hier unmittelbar vor dem Ausbruch ausgesehen hat, ist deswegen so interessant, weil der Ausbruch in die Übergangszeit von der letzten Kaltzeit, der Weichsel-Kaltzeit, zur heutigen Warmzeit, dem Holozän, fällt. Herrschten damals noch "eiszeitliche" oder schon "warmzeitliche" Verhältnisse?

 

Im Löss, unmittelbar unter dem Bims gelegen, wurde bei Ochtendung eine recht reiche Säugetierfauna mit vielen kleinen Säugetieren gefunden. Typisch kaltzeitliche Arten wie die Lemminge waren darin nicht zu finden. Bei den größeren Arten waren montane Formen wie Steinbock und Murmeltier neben Reh und Rothirsch vertreten. Das lässt auf ein Abklingen der kaltzeitlichen Verhältnisse und eine gewisse Bewaldung vor dem Ausbruch des Laacher See Vulkans schließen. Diese Annahme wird durch die Stämme verkohlter Bäume bestätigt, die schon vor längerer Zeit im Trass des Brohltales gefunden wurden. Sie belegen einen lichten Birken-Kiefern-Wald, der mit Traubenkirschen und Zitterpappeln durchsetzt war und eine artenreiche Krautschicht besaß (Abb. 2). Die Gewalt der Glutlawinen, der sog. pyroklastischen Ströme, knickte Bäume und Pflanzen ab, riss sie mit sich und bettete sie später ein. Die Stämme, Äste und Blätter wurden in dem mindestens 350° bis 400°C heißen Aschestrom unter Sauerstoffabschluss mehr oder weniger intensiv verkohlt. Dennoch sind Details der Rinden und Blätter, wenn auch als Abdruck, sehr gut erhalten. Selbst Blüten sind mit einer deutlichen Struktur ihrer Blütenblätter überliefert. Daher kann man aus dem Entwicklungsstand der Blätter, Blüten und Früchte den Ausbruch des Laacher See Vulkans auf den Frühsommer, etwa Anfang Juni, datieren.


Abb. 2 Die nachgewiesenen Pflanzenarten unmittelbar vor dem Ausbruch des Laacher See Vulkans. Grafik: GH

In den Jahren 1982 bis 1987 hat eine Arbeitgruppe um den Archäologen G. Bosinski vom Museum Monrepos bei Neuwied besonderes Augenmerk auf die Verhältnisse unter dem Bims gelegt. Sie grub bei Miesenheim einen, von der Vulkanexplosion umgeworfenen Wald aus, der weitgehend aus Pappeln bestand. Daneben gab es aber in der feuchten Niederung auch Birken und Weiden. Nach den überlieferten Blütenpollen dürften an trockneren Standorten vor allem Kiefern und Birken gewachsen sein. Ein kleines Steinwerkzeug, ein Federmesser, das wahrscheinlich von der Spitze eines Pfeils stammt, wurde gefunden und belegt, dass auch Menschen in diesem Wald der Jagd nachgingen.

 

In einer anderen Bimsgrube bei Miesenheim wurde das Skelett eines Elches mit einem kräftigen Geweih entdeckt. Dieses Tier ist aber nicht durch den Vulkanausbruch zu Tode gekommen weil die Geweihschaufeln von Raubtieren angefressen und die Beine fortgeschleppt waren. Der bevorstehende Vulkanausbruch hatte sich vermutlich durch Erdbeben angekündigt und Tiere und Menschen zur rechtzeitigen Flucht veranlasst. Allerdings sind auch zwischen den relativ dicht aufeinander folgenden Eruptionen Tiere über die frisch gefallene Asche gelaufen. Bei Mertloch, südlich der Autobahn Koblenz-Trier und damit etwas weiter entfernt vom Zentrum des Ausbruchs, wurden Tierfährten auf einer Aschenschicht gefunden, die durch den nachfolgenden Aschenfall konserviert wurden. An den Trittsiegeln lassen sich Hirsche oder Rehe, Pferde, ja sogar ein Braunbär nachweisen. Die Länge der Schrittgröße deutet auf ein geruhsames Laufen in verschiedenen Richtungen hin, belegt also keine panische Flucht. Als Besonderheit zeigt diese Fährtenplatte auch Spuren von Auerhahn und Birkhuhn.

 

Abb. 3 Die wichtigsten Säugetiere, die vor dem Ausbruch das Land bevölkerten. Grafik: WvK

Die Befunde aus unterschiedlichen Quellen ergänzen sich gegenseitig und zeigen, dass kurz vor den Ausbruch des Laacher See Vulkans, also vor etwa 13.000 Jahren, die kaltzeitlichen Verhältnisse weitgehend überwunden waren und der Wald begann, sich im Rheinland wieder auszubreiten.

 

Diese unter der Asche gut konservierte Momentaufnahme vom Fauna und Flora kann vorzüglich in die klimatische Entwicklung am Ende der letzten Kaltzeit bzw. dem Übergang zum Holozän eingepasst werden. Dieser Übergang erfolgte nicht gleichmäßig, sondern mit mehreren Kälterückschlägen. Dies lässt sich besonders gut an Pollenprofilen ablesen. In den feinkörnigen Seeablagerungen der Eifel-Maare und in vielen Mooren hat sich der Blütenstaub besonders gut erhalten und kann quantitativ ausgewertet werden. Dabei bildet die Aschenlage des Laacher See Ausbruchs einen gut sichtbaren Leithorizont. Demnach fällt der Ausbruch dieses Vulkans in das Alleröd, eine Wärmeschwankung im ausgehenden Weichselglazial. Damit war die Kaltzeit noch nicht zu Ende, sondern es kam danach nochmals zu einer spürbaren Abkühlung, der jüngeren Dryaszeit, die jünger ist als der Laacher See Ausbruch. Die Pollenprofile zeigen, dass der Wald nochmals fast vollständig verschwand. In dieser letzten Kaltphase wanderten nochmals sogar arktische Tierarten, wie Rentier und Lemminge ein. Erst danach - vor etwa 11.600 Jahren - verbesserte sich das Klima zur derzeit anhaltenden Warmzeit, dem Holozän.

 

Literatur:

Heumann, G. & Koenigswald, W. v. 2007. Vor dem Vulkanausbruch. - In: GeoRallye - Spurensuche zur Erdgeschichte, Hrsg.: W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 292-297. Bonn: Bouvier.

Paulick, H. & Münker, C. 2007. Laacher See Vulkan - AmWingertsberg. - In: GeoRallye - Spurensuche zur Erdgeschichte, Hrsg.: W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 280-286. Bonn: Bouvier.

Simon, K.-F. 2007. Die Trasshöhlen am Jägerheim. - In: GeoRallye - Spurensuche zur Erdgeschichte, Hrsg.: W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 286-292. Bonn: Bouvier.