10.) Vom Winde verweht - Löss aus der letzten Eiszeit am Schwalbenberg bei Remagen

Betreuer: 10a: Dr. Thomas Tütken
                 10b: Jan Stiasny (M.Sc. Geowissenschaften)

Auf vielfachen Wunsch der Besucher hier der Download des Posters zu diesem Stop: Link

Anfahrt aus Richtung Remagen / Sinzig:
Per PKW:
Die Landstraße L82 verbindet Sinzig und Remagen parallel zur B9. Ihr folgt man aus beiden Richtungen bis zum Abzweig der Sinziger Straße zwischen der Brücke über die B9 und der Unterführung der Ahrtalbahnlinie. Auf diesem kleinen Abzweig der Sinziger Straße sind die Firma “Auto-Schäfer” und ein Dachdeckerbetrieb ansässig. Geparkt werden kann gegenüber der Toreinfahrt zu Haus Nr. 50. Von dort geht es zu Fuß einige Minuten bergauf zu den beiden Teilstops.

Per Rad und zu Fuß (bzw. ab Bahnhof):
Zu Fuß und mit dem Fahrrad erreicht man die Station von den Bahnhöfen Remagen und Sinzig aus kommend auf gleich Weise wie mit dem PKW. Die Benutzung der L82, Sinziger- / Kölner Straße, lässt sich aus dieser Richtung nicht vermeiden. Am Abzweig Sinziger Straße kurz hinter der Brücke über die B9 angekommen, biegt man in den Feldweg neben der Hausnummer 50 ein. Diesem folgt man ca. 200 m bergauf. Dort findet man rechter Hand hinter Büschen den Lössaufschluss Schwalbenberg (Teilstop 10a).
Von dieser Station aus geht es weitere 400 m dem Feldweg folgend bergan zum Teilstop 10b. Dieser befindet sich auf einer Wiese unterhalb des Waldrandes von wo aus man einen weiten Blick über die “Goldene Meile” und in das Mittelrheintal hat.
Als Alternative zur Landstraße, wenn man von Remagen aus wandert, bietet sich eine etwas längere Route durch den Wald oberhalb an. Hier führt der Rheinhöhenweg, sowie der Wanderweg Nr. 5, am Wanderparkplatz beim Lützelhof vorbei von oben über den Reisberg kommend zu den beiden Teilstops (vergl. Karte). Auf diesem Weg kann man gleichzeitig einem Waldlehrpfad folgen und einige geologische Schautafeln betrachten.
Von der Ahrmündung und somit vom Stop 11 kommend, folgt man am besten zu Fuß oder per Rad der Ahr aufwärts bis zur Brücke der L82. Dort biegt man auf die Landstraße in Richtung Remagen. Ihr folgt man unter der Bahnlinie hindurch bis zum Abzweig der Sinziger Straße. Von dort geht es weiter wie oben beschrieben.

Anfahrt aus Richtung Bad Bodendorf:
Per PKW:
Wer das Ahrtal abwärts fährt und somit vom Stop 9 kommt, kann sein Auto in Bodendorf abstellen und von dort 20 – 30 min. zu Fuß gehen. Am besten parkt man am Ende der Straße “Am Rotberg” in Bad Bodendorf (Navi-Adresse: Am Rotberg 51, 53489 Sinzig). Von dort geht es weiter wie unten beschrieben.
Per Rad und zu Fuß (bzw. ab Bahnhof):
Von Bad Bodendorf und dem Stop 9 aus kommend, erreicht man den Schwalbenberg gut zu Fuß und mit dem Rad. Man folgt vom Bahnhof aus der Hauptstraße durch den pittoresken Fachwerkort und an der Burg vorbei. Hier bietet sich auch die Möglichkeit zur Einkehr in verschiedene Biergärten und Weinstuben. Nach einem langen Rechtsbogen zweigt linker Hand die Wohnstraße “ Am Rotberg” ab. Ihr folgt man bis zum Ende.
Geradeaus geht es weiter auf einem Feldweg zwischen Waldrand und Bahnlinie. Der Wanderweg Nr. 6 führt hier entlang und leitet direkt zum Teilstop 10b. Dazu muss man nach ca. 400 m auf dem Feldweg noch einmal am Waldrand links abbiegen. Vorbei an Bienenkörben geht es ein paar Meter steil bergauf auf die Wiese zum Aussichtspunkt.

Geokoordinaten:
10a: 50°33'40.30'' / 7°14'35.10''
10b: 50°33'34.90'' / 7°14'18.17''
(Grad, Minuten, Sekunden)


Abb.1: Lage der Teilstops (Kartengrundlage: Open Street Map)
<http://www.openstreetmap.de/karte.html>, [Aufgerufen am 27.05.13]


Abb. 2: Lage der Teilstops auf dem Satellitenbild (Google Earth)

Informationen zu den Teilstops

Die Station Nummer 10 steht ganz im Zeichen der Landschaftsentwicklung und der Klimageschichte des Mittelrheingebietes. Wer die Landschaft der Region, die durch die Rheinromantik berühmt wurde, einmal mit den Augen eines Geologen wahrnehmen möchte, ist herzlichen eingeladen diese beiden Stationen zu besuchen. Dabei soll nicht nur die Entstehung von Löss und von Flussterassen erläutert werden, sondern auch der Einfluss des Klimas auf die Landschaft und den Menschen diskutiert werden. Die beiden eiszeitlichen Ablagerungen, Löss und Flußschotter, bedecken in weiten Bereichen den Siedlungs- und Agrarraum im Rheintal. Die gesamte Menschheitsentwicklung und Besiedlungsgeschichte im Rheinland ist eng mit den geologischen Prozessen der jüngeren Erdgeschichte verbunden. Sowie nicht zuletzt auch der Weinbau an Rhein und Ahr von der Landschaft und ihren Böden bestimmt wird.
Am Teilstop 10a kann man an einem geologisch bedeutenden Aufschluss
Lössablagerungen besichtigen und anfassen. Löss ist eiszeitlicher Mineralstaub, der während trocken-kalter Klimabedingungen bei spärlicher Vegetationsbedeckung während der Kaltzeiten vom Wind transportiert und abgelagert wurde. Während der letzten Eiszeit, im Zeitraum von etwa 60 bis 30 tausend Jahren vor heute, lagerte sich am Schwalbenberg der gelblich-beige, feinkörnige Löss 13 m mächtig auf den Rheinschottern der unteren
Mittelterrasse ab und bezeugt die bewegte Klimageschichte der Region. Die Lößschichten des Schwalbenbergs sind ein wertvolles Klimaarchiv und spiegeln den Wechsel von Wärme- und Kältephasen wider. In den warmen Phasen kam es zur Bodenbildung und in kalten Klimaphasen wurde erneut Löss abgelagert. In der Lößabfolge finden sich insgesamt 8 fossile Bodenhorizonte, die sich gut mit den Wärmephasen, sogenannten Interstadialen, in den Eiskernen von Grönland korrelieren lassen. Das Lößprofil am Schwalbenberg ist eines der komplettesten und am besten untersuchten Lößablagerungen in Europa. Diese Ablagerungen haben viel zum Verständnis über die jüngere Erd- und Klimageschichte in Mitteleuropa beigetragen. Darüber hinaus ist Löss in der Niederrheinischen Bucht ein sehr wichtiger Boden für die intensive landwirtschaftliche Nutzung und es gibt sogar archäologische Fundstellen in derartigen Erdschichten. So finden sich Überreste von Siedlungsplätzen und Feuersteinartefakte eiszeitlicher Jäger in
Lößsedimenten des Rheintals.


Abb. 3: Der Lössaufschluss (10a) am Schwalbenberg mit künstlerischer Gestaltung

Der Teilstop 10b liefert dann einen schönen und aufschlussreichen Ausblick auf die Landschaft des Mittelrheintales, welche von den verschiedenen Terassenniveaus des Rheins geprägt ist. Der Blick reicht hier über die “Goldene Meile” und Sinzig hinweg weit in das enge Kerbtal hinein, dessen geomorphologische Gestalt so besonders deutlich wird.
Auch in den Terassenablagerungen des Rheins, die ihrerseits während der Eiszeiten entstanden, verbirgt sich die Geschichte der Klimaveränderungen während der letzten Jahmillionen. Immer tiefer hat sich der Rhein während der verschiedenen eiszeitlichen Phasen in das durch tektonische Kräfte aufsteigende Rheinische Schiefergebirge eingeschnitten. So enstand da tiefe Kerbtal als Einschnitt in das devonische Grundgebirge, welches heute wichtige Verkehrsachsen und einen engen Siedlungsraum beherbergt.
Der Stop 10 bietet somit thematisch engen Anschluss an den Stop 11 an der Ahrmündung, wo man dann Näheres über die Sedimente des Rheins erfahren und den Rheinkies genauer betrachten kann.


Abb. 4: Blick vom Teilstop 10b ins Mittelrheintal mit Terassenlandschaft

Literaturhinweise:
Zepp, H. (2011): Geomorphologie – Eine Einführung.- 5. Aufl.: 385 S.; Schöningh
(Paderborn)
Sirocko, F. (2009): Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung – Von der Eiszeit bis ins 21.
Jahrhundert.- 208 S.; Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Darmstadt)
Meyer, W. & Stets, J. (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn.- Sammlung
geologischer Führer, Band 89, 386 S.; Borntraeger (Berlin)
Frechen, M. & Schirmer, W. (2011): Luminescence Chronology of the Schwalbenberg II
loess in the Middle Rhine Valley.- E&G Quartenary Science Journal, 60 (1): 78-89.
Schirmer, W. (2012): Rhine loess at Schwalbenberg II – MIS 4 and 3.- E&G Quartenary
Science Journal, 61 (1): 32-47.