1.) Seelilien und Korallen - der Weinberg bei Kerpen

Betreuer: Dr. Rico Schellhorn, Jonina Strelow (M.Sc.)

Wo: 54578 Kerpen. Navigationssystembenutzer können die Adresse der "Strumpffabrik" nutzen. Parken Sie bitte im Bereich der Einmündung des Wirtschaftsweges. Der Aufschluss ist über einen Fußweg von ca. 700 m in Richtung Westen zu erreichen.


Geokoordinaten: 50° 18' 53.496" N 6° 42' 54.36" O


Größere Karte anzeigen

Der Weinberg bei Kerpen ist ein alter Steinbruch mit karbonatischen Riffgesteinen (Abb.1) und Teil der Hillesheimer Kalkmulde. Neben Kalk und Dolomit sind auch Mergel aufgeschlossen. Vor allem in diesen Lockersedimenten lassen sich Fossilien des Mittel-Devons finden.

Abb. 1 Zentraler Riffkörper des Steinbruchs am Weinberg bei Kerpen. Foto:RS

Vor rund 380 Millionen Jahren befand sich die Eifel ca. 10° südlich des Äquators und war von einem Flachmeer bedeckt. Durch warme Temperaturen und gut durchlüftetes Wasser konnten riffbildende Organismen ausgedehnte Riffstrukturen aufbauen. Am Weinberg ist ein zentraler Riffkörper mit den angrenzenden Riffflanken aufgeschlossen. Zu den Riffbauern zählen kalkige Korallen und Stromatoporen, schwammähnliche Organismen, die lagenartige Kalkskelette aufbauen. Zu den häufigsten Riffbewohnern gehören Seelilien (Crinoiden) und Brachiopoden, aber auch Schnecken, Muscheln und Trilobiten sind zu finden. Die häufigsten Fossilien sind die einzelnen Stielglieder der Seelilien, die sogenannten Trochiten (Abb.2).


Abb. 2 Kalk des Weinberges mit Trochiten. Rechts im Anschliff. Jeweilige Bildbreite ca. 2,5 cm. Foto: RS

Die obersten Gesteinsschichten des zentralen Riffkörpers zeigen eine Rotfärbung. Hierbei handelt es sich um Dolomit. Bei der Dolomitisierung, einem chemischen Prozess, wurde das Calcium des Kalkes teilweise durch Magnesium ersetzt. Im Dolomit lassen sich keine Fossilien finden.

Der Weinberg ist ein Aufschlusspunkt des GeoZentrums Vulkaneifel und bildet Station 23. des GEO-Pfades Hillesheim.

Wegen der Möglichkeit eines Steinschlages darf der Gefahrenbereich des Steinbruches unterhalb des zentralen Riffkörpers nicht betreten werden!

Literatur:
Langer, M. 2007. Der Weinberg bei Kerpen. In GeoRallye – Spurensuche zur Erdgeschichte, eds. W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 70-74. Bonn: Bouvier.