2.) 'Rostige Eifel' - Roteisenerz an der Hammermühle

Betreuer: Dr. Georg Heumann & Hannah Vossel (M.Sc.)

Anfahrt von Norden aus Richtung Bonn:
Ahrtal (B 258) Richtung Blankenheim. Bei Ahrdorf links abbiegen auf die L 70, Richtung: Ahütte, Üxheim, Kerpen. An der Burgruine ‚Neu-Blankenheim’ vorbei. Nach ca.1 km kleiner Parkplatz an Waldwegmündung, in Fahrtrichtung rechts.
Ziel für Navigationssysteme: Üxheim/Ahütte – L 70.

Vorsicht bitte bei der Überquerung der stark befahrenen Landstraße!

Geokoordinaten: 50º20’57,77‘‘ N, 6º46’40,70‘‘E, 355 m ü. NN.


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Aufschluß im Ahbachtal, südwestlich der Hammermühle (Üxheim, Verbandsgemeinde Hillesheim, Geo-Pfad der VG Hillesheim):

  • Dokumentation einer erdgeschichtlichen Umwälzung zum Zeitpunkt der Wende Unterdevon/Mitteldevon.
  • Zeugnis für eine frühmontangeschichtliche Entwicklung in Mitteleuropa.


Die an der Landstraße nach Kerpen anstehenden Gesteine (Abb. 1) zeigen nahe der Hammermühle eine auffällig rostbraune Färbung. Beim genaueren Hinsehen fällt dem Betrachter eine Fülle von Versteinerungen auf (Abb. 2), die an der Bruchfläche oft silbrig glänzen. Außerdem ist das Gestein auffällig schwer.


Abb. 1: Rote Heisdorf- und Klerf-Schichten am Aufschluss ‚Hammermühle‘, Foto: G. Heumann.

Diese, als Heisdorf-Schichten (Heisdorf-Formation) bezeichneten Ablagerungsgessteine gehören in das Paläozoikum (Erdaltertum), genauer in das oberste Unterdevon (Ober-Emsium, ca. 392 Mio. Jahre) und sind Zeugen einer erdgeschichtlichen Umwälzung an der Wende vom Unter- zum Mitteldevon.

 


Abb. 2: Handstück von roten Heisdorf-Schichten mit Fossilien. Aufschluss ‚Hammermühle‘, Foto & Slg. G. Heumann

Während die liegenden Klerf-Schichten als küstennahe Bildungen unter flachmarinen, deltaischen bis fluviatilen Bedingungen abgelagert wurden, ändern sich mit Beginn der Heisdorf-Schichten die Sedimentationsbedingungen rapide: Zwar ist auch jetzt noch an der Gesteinsfarbe (s.u.) der Einfluss des nahen, nördlich gelegenen ‚Old-Red-Kontinentes’ zu erkennen, aber die Zusammensetzung des Gesteins, insbesondere der Fossilien ist grundverschieden: die Bruchstücke von Korallen, Seelilien, Brachiopoden, Schnecken u. a. (Abb. 3) entstammen dem Schutt der nun aufwachsenden, mitteldevonischen Riffe. Diese großen Riffkomplexe bilden den Kern der Eifeler Kalkmulden (z. B. Steinbruch ‚Weinberg’ bei Kerpen – Stop 1). Im Unterdevon der Eifel gab es solche Riffkomplexe noch nicht.

 


Abb. 3: Anschliff vom Handstück (Abb. 2): rote Heisdorf-Schichten mit horizontal eingeregelten Fossilien. Aufschluss ‚Hammermühle‘, Slg. G. Heumann; Foto: G. Oleschinski.

Die rostbraune Farbe ist das Kennzeichen dieser Gesteine, welche bereits den frühen Prospektoren von Lagerstätten auffiel. Es handelt sich dabei in erster Linie um das Mineral ‚Hämatit’ (Fe2O3), oft auch als ‚Blutstein’ oder ‚Roteisenstein’ bezeichnet. Seinen Ursprung hat dieses typische Mineral der Heisdorf-Schichten im Verwitterungsschutt des ‚Old-Red-Kontinentes’ mit seinem damals tropischen-heißen Klima. Flüsse spülten dieses Mineral in flache Meeresbecken, wo es – durch Brandung und Strömungen aufbereitet – zusammen mit dem kalkreichen Riffschutt zur Ablagerung kam. Da das Gestein bis zu 30 % Eisenerz enthält, haben bereits die Kelten im 6. Jahrhundert v. Chr. (Hallstatt-Zeit) dieses Erz abgebaut und z. B. bei Hillesheim verhüttet. Die Römer begründeten im 2. Jahrhundert n. Chr. eine florierende Montanindustrie in der Eifel (z. B. Jünkerath). Ab dem 12. Jh. waren es vor allem die Landesherren, die durch den effektiven Einsatz modernerer Hüttentechnik auch den Abbau der Eifeler Lagerstätten intensivierten. ‚Achilles-Ferse’ dieser Hüttentechnologie aber war das Bereitstellen von ausreichenden Mengen von Holzkohle. In der Folge wurden immer wieder ganze Landstriche entwaldet – mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Der ständige Mangel von Brennstoff führte dazu, dass mit dem Auffahren der Steinkohlengruben im Ruhrtal zu Beginn des 19. Jh. die Eisenhütten in der Eifel ihren Betrieb nach und nach einstellten und die Betreiber die Produktion ins Ruhrtal verlagerten. Die Eisen-Dynastien Hoesch, Mannesmann oder Poensgen haben ihren Ursprung in der Eifel.

 

 

Literatur:
v. Koenigswald, W. & Meyer, W. (Hrsg.) et al. (1994): Erdgeschichte im Rheinland: Fossilien und Gesteine aus 400 Millionen Jahren - München (Pfeil-Verlag).
Meyer, W. (1994): Geologie der Eifel. - 3. erg. Auflage; Stuttgart (Schweizerbart).
Eschgi, I., Kasig, W. & Laschet, C. (2000): Zur Geologie, Fauna und Flora der Verbandsgemeinde Hillesheim – Begleitbuch zum GEO-Pfad. Hillesheim/ Vulkaneifel.
Simon, K. F. (1984): Geologische und paläontologische Untersuchungen in der Umgebung von Üxheim im Nordosten der Hillesheimer Mulde. Unveröffentl. Diplomarbeit. Universität Bonn.
Ehses, H. & Schöllkopf, U. (Hrsg.) et al. (2007): Ein schöner Tag kompakt: Geo-Touren. – Neuwied (idee-media).