5.) Die Cloosfalte in Altenburg

Betreuer: Frederik Kirst

Anfahrt: Von Bonn aus über die A565 Richtung Altenahr/Koblenz auf die B257 Richtung Ahrweiler. Dann auf die B267 Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler/Altenahr/Bad Münstereifel bis Altenburg. Der Aufschluss befindet sich an der Hauptverkehrsstraße an der Bushaltestelle „Kreuzberger Straße“.

Koordinaten: 50.51074 N 6.98692 E


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An der Hauptstraße in Altenburg bei Altenahr befindet sich die „Cloos-Falte“, die schon 1950 von Hans Cloos in seiner Arbeit „Gang und Gehwerk einer Falte“ beschrieben wurde und einen wichtigen Beitrag zum modernen Verständnis von Faltenmechanik lieferte.


Abbildung 1: Die Falte in Altenburg in der Zeichnung von Hans Cloos 1950 und ein Foto des heutigen Aufschlusses.

Die Falte besteht aus einem flach nach Südosten einfallenden oberen Hangendschenkel und einem steil stehenden unteren Liegendschenkel. Diese Geometrie ist exemplarisch für die nach Nordwesten geneigten („nordwest-vergenten“) Falten des Rheinischen Schiefergebirges.

Bei den Gesteinen handelt es sich um Ton-, Silt- und Sandsteine der Mittleren Siegen-Schichten des Unterdevons. Diese wurden im Zuge der variskischen Gebirgsbildung im Oberkarbon verformt und verfaltet.

Auf der Oberseite des steilen Liegendschenkels sind Belastungsmarken („load casts“) zu erkennen. Diese entstehen bei der Sedimentation durch die Ablagerung von dichterem Material auf noch unverfestigtem, wassergesättigtem und damit weniger dichtem Material.


Abbildung 2: Belastungsmarken, sogenannte „load casts“, die durch die Auflast neuen Sediments entstanden sind.

In den tonigen Schichten ist eine sogenannte Faltenachsenebenenschieferung ausgebildet, die in den Sandsteinlagen nicht zu erkennen ist. Die Schieferung ist parallel zur Faltenachsenebene und gleichzeitig mit der Faltung entstanden. Das unterschiedliche Verformunsverhalten der Schichten ist durch ihre unterschiedliche Kompetenz zu erklären. Die inkompetenten Tonsteine lassen sich leichter verformen und bilden daher eine Schieferung aus, während sich die Sandsteinlagen relativ kompetent verhalten und nicht geschiefert werden.


Abbildung 3: Faltenachsenebenenschieferung im Bereich der Faltenumbiegung.

Vor allem im Bereich des steilen Liegendschenkels sind Quarzgänge zu erkennen, die die Schichten senkrecht durchschlagen und entlang der Schichtgrenzen versetzt sind. Die Gänge sind vermutlich schon vor oder während der Verformung eingedrungen und wurden dann durch Biegegleitfaltung entlang der Schichtgrenzen versetzt.


Abbildung 4: Durch Biegegleitfaltung entlang von Schichtgrenzen versetzter Quarzganz.

Im oberen Bereich des Hangendschenkels sind die Schichten nochmals verfaltet und fächerartig aufgeschoben worden (Abb. 5 und 7). Dass es sich um eine spätere Faltungsphase handelt, lässt sich daran erkennen, dass die Schieferung, die während der ersten Faltungsphase entstanden ist, selbst verfaltet wurde (Abb. 6d). Bevorzugt entlang der Faltenschenkel haben sich kleine Überschiebungen gebildet (Abb. 6a). Diese und S-förmige Fiederspalten (Abb. 6b) geben eine Transportrichtung nach Südosten an, welche den ursprünglich Nordwest-gerichteten Bewegungen des Rheinischen Schiefergebirges entgegengesetzt ist. Evtl. handelt es sich um Merkmale anhaltender Kompression (Einengung) in einer späten Phase der Gebirgsbildung, die zu einer sogenannten Rückfaltung und Rücküberschiebung der Gesteine geführt hat.


Abbildung 5: Späte Falten und Überschiebungen im oberen Bereich des Hangendschenkels; Detailansichten in Abb. 6.


Abbildung 6: Detailansicht der Ausschnitte in Abb. 5.


Abbildung 7: Strukturskizze der Falten und Überschiebungen im oberen Bereich des Hangendschenkels.