8.) Der Meeresboden von unten gesehen - Siegener Schichten am Fuß der Landskrone

Betreuer: Prof. Dr. Niko Froitzheim, PD Dr. Thorsten Nagel

Anfahrt: Zum Bahnhof Heimersheim wie bei Stop 7 beschrieben mit dem Auto oder mit der Ahrtalbahn.

Fußweg: Vom Bahnhof Heimersheim überqueren Sie die B266 und nehmen am Ortsschild Heppingen den breiten Fußweg bergauf. Gleich wieder rechts ab und auf dem ebenen Weinbergsträßchen wenige Minuten nach Osten zum Aufschluss.

Achtung: Bitte nicht hämmern!

Geokoordinaten: 50°32’51.90‘‘N, 7°10’50.16‘‘O, Höhe 109 m.



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Der Aufschluss am Weinbergsträßchen zeigt eine steil nach Süden einfallende Schichtfläche. Dies ist die Unterseite einer einstmals waagrecht abgelagerten Schlammschicht. Die Schichten wurden bei der Faltung der Sedimentgesteine aufgerichtet bis zur Überkippung. Man erkennt dies an einigen Aufschlüssen entlang des Weinbergwegs, in denen man die Beziehung zwischen der Schichtung und der Schieferung sieht (Abb. 1).


Abb. 1: Schichtung und Schieferung in einer Sandstein-Tonschiefer-Wechselfolge am Weinbergweg. Steil nach rechts (Südosten) einfallende Schichtung, kenntlich an einer einlagerten Sandsteinbank, wird von flacher nach Südosten einfallender Schieferung geschnitten. Diese räumliche Beziehung zwischen Schichtung und Schieferung zeigt, dass wir uns im überkippten nördlichen Schenkel einer großen Sattelstruktur befinden (Rahmen in der Schemaskizze).

Schieferung ist ein Flächengefüge, das bei der tektonischen Verformung neu entsteht. Die Schieferungsfläche steht senkrecht zu der Richtung, in der das Gestein am meisten verkürzt wurde; sie ist die Plättungsebene des Gesteins. Bei der Verformung werden plättchenförmige Mineralkörner, vor allem Tonminerale, in diese Orientierung rotiert oder wachsen in dieser Orientierung neu. Deshalb lässt sich das Gestein entlang der Schieferungsflächen spalten, was man sich zum Beispiel bei der Dachschiefergewinnung zunutze macht. Die Anordnung der Schieferung in diesem Aufschluss, flacher nach Süden einfallend als die Schichtung, verrät, dass wir uns in Heimersheim in der Nordflanke einer großen Sattelstruktur befinden, und dass die Schichtung überkippt ist, also mehr als 90° aus ihrer ursprünglichen Lage rotiert wurde.
Die Gesteine im Aufschluss gehören zu den Mittleren Siegener Schichten und sind ca. 410 Millionen Jahre alt. Sie wurden in Flussdeltas abgelagert, die von Norden ins Meer mündeten. Die Sandsteine stellen die in den Flussrinnen transportierte Sandfracht der Flüsse dar.


Abb. 2: Der Abdruck einer Schleifspur auf einer Schichtunterseite im Unterdevon von Heimersheim (von links nach rechts ansteigender Wulst). Die steil nach rechts abfallenden dunklen Striche sind Klüfte.

Die Ton- und Siltsteine wurden in Überflutungsebenen und Auen zwischen den Flussarmen abgelagert. Durch die immer wiederkehrende Verlagerung der Flussarme und durch das Durchbrechen der Flussarme in die Überschwemmungsebenen sind Auensedimente und Flussrinnen-Füllungen heute im selben Profil übereinander anzutreffen. Der Aufschluss zeigt eine interessante Sedimentstruktur, und zwar einen von links nach rechts hochziehenden, merkwürdigen Wulst (Abb. 2). Dabei handelt es sich um eine Schleifspur, die in die Oberseite der daraufliegenden Schicht eingegraben wurde, die heute abgetragen ist. Wir sehen stattdessen den Abdruck, das Negativ dieser Schleifspur auf der Unterseite der nächstjüngeren Schicht. Wer oder was diese rätselhafte Schleifspur hinterlassen hat, ist unbekannt.