Drachenfels: Trachyt

Anfahrt: Über die B 42, Abfahrt Königswinter (L 331). Weiter über Winzerstraße oder Bahnhofstraße unter der B 42 hindurch in den Oberweingartenweg zum Lemmerzbad. Von hier zu Fuß über die Drachenfelsstraße auf den Gipfel. Die Cloos-Gedenktafel befindet sich am Eselsweg unterhalb der Plattform. Alternativ: Wanderung von der Bahnhofstraße durch das Nachtigallental  zur Aussichtsplattform.

Geokoordinaten:7.21008 Ost/50.66484; 303 m ü. NN

Betreuer: M.Sc. Kathrin Schneider, Fabian Gäb


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Der Trachyt des Drachenfels – mürber Fels für Römer, Bischöfe und Bürger...

(Text : Holger Paulick & Matthias Böhm)

Der 321 m hohe Drachenfels ist der Überrest eines Vulkans im Siebengebirge der vor ca. 25 Ma aufgedrungen ist. Er gehört zu den großen Vulkanruinen, die das Zentrum des geographischen Siebengebirges bilden, und erhebt sich mit seiner Burgruine majestätisch über dem Rhein (Abb. 1). Zur Zeit der vulkanischen Aktivität gab es natürlich den Rhein in seiner heutigen Form noch nicht und das zentrale Siebengebirge zog sich vom Ölberg im Osten bis zum Wachtberg bei Berkum im Westen. Der Drachenfels besteht aus einem hellen vulkanischen Gestein, das als Trachyt bezeichnet wird. Die Bezeichnung stammt vom griechischen Wort „trachys“ für rauh oder hart. Dieses Gestein ist besonders schön am Eselsweg ein Stück unterhalb der Besucherplattform aufgeschlossen. Dort erinnert eine Gedenktafel an den Bonner Geologen Hans Cloos, dessen Forschung wesentlich zum Verständnis dieses Berges beigetragen hat.


 

Abb. 1: Blick von Mehlem auf den Drachenfels. Foto: KFS
 
Der Trachyt vom Drachenfels besteht aus einer feinkörnigen Grundmasse und bis zu 5 cm großen Sanidin-Megakristallen. Sanidine sind kaliumreiche Alkalifeldspäte (Abb. 3). Diese hellgrauen bis
beigen Kristallplatten sind durch ihre hell glänzenden Kristall- und Bruchflächen gut zu erkennen. Auch in der Grundmasse ist Sanidin zu finden, daneben Quarz und ein weiterer Feldspat (Plagioklas). Letzterer bildet häufig mehrere mm große Körner aus kleineren Einzelkristallen, die als helle Flecken im Gestein zu erkennen sind. Schließlich sind im Trachyt kleine schwarze Kristalle zu sehen, bei denen es sich meist um Biotit handelt.

Abb. 2: Entstehung der Quellkuppe des Drachenfels. Grafik: MB

Die großen Sanidinkristalle waren schon in einer tiefer gelegenen Magmenkammer gewachsen bevor sie mit dem zähflüssigen Magma nach oben mitgenommen wurden. Man geht davon aus, dass das Trachytmagma nicht an der Oberfläche als Lava ausgeflossen ist, sondern in einer Tiefe von einigen zehner Metern bis 100 m unter der damaligen Erdoberfläche in weichem Nebengestein stecken bleib, vermutlich im Trachyttuff. Als aus der Tiefe weitere Schmelze nach oben drang, blähte sich der noch plastische Magmenkörper ballonförmig zu einer so genannten Quellkuppe auf. Als Beleg für diese Interpretation dient die spezielle räumliche Anordnung der Sanidintafeln, denn diese regelten sich unter dem Druck parallel zu den Rändern der Quellkuppe ein. Diese Beobachtungen machten schon 1927 Hans Cloos und sein Bruder Ernst und schlossen aus der Raumlage der Sanidintafeln auf die Entstehungsgeschichte des Drachenfelses.


Abb. 3: Tafelige Sanidinkristalle im Drachenfelstrachyt. Sanidin ( KAlSi3O8 ) ist ein häufiges Mineral aus der Gruppe der Feldspate. Das Silikat kristallisiert im monoklinen Kristallsystem. Foto: RS
 

Sie konnten auch rekonstruieren, dass über seinem Gipfel (heute bei 321 m ü. NN) ursprünglich noch weitere 80 m Trachyt vorhanden waren, und darüber noch eine dicke Lage von dem zuvor abgelagerten Trachttuff lag (Abb. 2). Die Überdeckung und der obere Teil der Trachytkuppe wurden durch die Erosion abgetragen, so dass der Vulkanbau des Drachenfelses freigelegt wurde. Insbesondere das schnelle Einschneiden des Rheintales während des Quartär, aber auch der intensive Steinbruchbetrieb haben die markante Westflanke des Berges herausgearbeitet.
Der Trachyt wurde schon von den Römern abgebaut und für den Bau von Legionslagern und Kastellen verwendet. Am Westhang sind die charakteristischen Keilspuren vom Absprengen der Blöcke erhalten. Im Mittelalter war der Trachyt vom Drachenfels einer der beliebtesten und wichtigsten Bausteine im Rheinland, da er sich für Mauerwerk ebenso eignete wie für Verzierungen am Bauwerk. Zudem konnte das Material nach dem Abbau leicht über den Rhein transportiert werden. Der Trachyt kann noch heute in Sakral-und Profanbauten von Koblenz bis in die Niederlande gefunden werden. So bestehen etwa Teile des Historischen Rathauses und des Gürzenich in Köln, des Bonner Münsters oder des Altenberger Doms aus dem Gestein vom Drachenfels. Eine besonders wichtige Rolle spielte der Trachyt beim Bau des Kölner Doms. In der ersten Bauphase von 1248 bis 1560 wurde der Dom hauptsächlich aus diesem Material errichtet. Auch mit Beginn der zweiten Bauphase ab 1824 wurde zunächst wieder Trachyt vom Drachenfels verwendet. Der Abbau wurde allerdings 1828 eingestellt, als Teile der Burg zu Tale stürzten. 1836 wurde der Drachenfels dann als erstes Objekt auf deutschem Boden unter Naturschutz gestellt, um seinen vollständigen Abbau zu verhindern. Bei diesen Bemühungen spielte der Verschönerungsverein für das Siebengebirge eine herausragende Rolle. Gesteine die Sanidin enthalten sind besonders verwitterungsanfällig. Durch Hydrolyse entstehen aus den Kristallen Tonminerale. Die damit verbundenen Aufquellungen zermürben das Gestein, ein Problem für den Denkmalschutz.