Anlaufstellen 2012 - Übersicht

Übersichtskarte

1.) Das Goldfuß-Museum der Universität Bonn: Millionen Jahre alte Zeugen vergangenen Lebens

Wo: Goldfuß-Museum, Nussallee 8, Bonn-Poppelsdorf.
Vom Hbf die Meckenheimer Allee Richtung Venusberg, nach ca. 1 km rechts einbiegen in die Nussallee 8

Geokoordinaten:  -

Betreuer:  Dr. Carole Gee, Benny Englich, Svenja Schmid, Philipp Knaus, Dr. Sandra Kaiser


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Führungen durch das Goldfuß-Museum und ggf. mit Blick hinter die Kulissen am 24. 06. 2012 um 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr

Außenansicht Goldfußmuseum

Abb: Außenansicht Goldfuß-Museum. Photo: G.Oleschinski


Im Goldfuß-Museum des Steinmann-Institutes für Geologie, Mineralogie und Paläontologie wird die Geschichte des Lebens auf der Erde mit prachtvollen Fossilien aus aller Welt erzählt. Das Museum präsentiert Fossilien aus der ganzen Welt und allen erdgeschichtlichen Epochen als die Zeugnisse für die milliarden Jahre alte Geschichte des Lebens auf der Erde. Auch Saurier kommen unter den versteinerten Meerestieren und Pflanzen nicht zu kurz. So ist zum Beispiel der Lebenszyklus der Fischsaurier durch Funde vom Baby über Jungtiere bis zum schwangeren Muttertier dokumentiert, bei Kindern ist vor allem der Schädel des Tyrannosaurus rex sehr populär.

Tyrannosaurus Rex

Abb.: Abguß Tyrannosaurus Rex


Im modernen Teil des Museums, in dem die Paläontologie – im Volksmund „Fossilienkunde“ – als wissenschaftliches Fach präsentiert wird, wird gezeigt, was Fossilien sind, wie man sie findet, wie man sie bearbeitet und warum sie wissenschaftlich so wertvoll sind. Frei montierte Skelette von Meeressauriern, wie der Fischsaurier Ophthalmosaurus aus der Jurazeit und ein lebensgrosses Modell eines erdgeschichtlich noch älteren Süsswasserhaies „schwimmen“ über den Köpfen der Besucher. In dieser kürzlich wiedereröffneten Dauerausstellung wird zum einen die biologische Seite der Paläontologie zum Thema gemacht, z.B. die Bedeutung von Fossilien für die Erforschung der Evolution. Zum anderen werden geologische Themen erörtert, z.B. wie Fossilien die Rekonstruktion des Klimas der Vergangenheit ermöglichen. Aber auch die Arbeitsweise der Fossilienforscher wird veranschaulicht.

Ammonitenvitrine, Seepocke (o.rechts), Melanopsis(u.rechts). Fotos: G. Oleschinski


Die Systematische Sammlung im hinteren Saal ist in einem original erhaltenen Ambiente zu sehen. In diesem „Museum im Museum“ stammen Montage und Beschriftung der Fossilien – wie auch die Vitrinen – aus dem Jahr 1910. Diese „altmodische“ Präsentation bringt besonders die ästhetische Seite der Fossilien zur Geltung, und die unglaubliche Formenfülle von Pflanzen, Wirbellosen und Wirbeltieren soll den Besucher faszinieren.
In den Ausstellungsräumen ist aber nur ein Bruchteil der Sammlungen des Goldfuß-Museums zu sehen; der größte Teil liegt in Magazinen und steht den Dozenten und Studenten der Universität für Forschung und Lehre zur Verfügung. Außerdem kommen öfter Paläontologen aus aller Welt nach Bonn, um Fossilien in den Sammlungen zu untersuchen. Besonders nachgefragt werden die Belegstücke zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen, z.B. der Petrefacta Germaniae, dem epochalen Werk von Goldfuß. Die wissenschaftlichen Sammlungen wachsen weiterhin kräftig durch die Forschungsarbeiten des Institutes und durch Schenkungen und Nachlässe. Das Goldfuß-Museum gehört mit seinen Sammlungen heute zu den wichtigsten paläontologischen Museen an deutschen Universitäten.
Das Museum ist für die Öffentlichkeit montags bis freitags von 9 Uhr bis 16 Uhr und am Sonntag von 13 bis 17 Uhr zugänglich. An Feiertagen, die nicht auf einen Sonntag fallen, bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt ist frei, so dass man sich in Ruhe in die paläontologische Welt vertiefen kann, denn man kann immer wieder kommen und „stöbern“. Gruppenführungen im Museum werden gegen Gebühr durchgeführt . Aktuelles über das Goldfuß-Museum, inklusive des Fossils des Monats, sind im Internet auf der Homepage unter www.paleontology.uni-bonn.de zu finden.

2.) Rabenley in Oberkassel

Wo: 53227 Bonn/Oberkassel, am Sportplatz in der Straße "Am Stingenberg" befinden sich Parkplätze, von hier aus ca. 100m Richtung Osten über den Oberkassel Tunnel der B42 gehen und dann links das Naturschutzgebiet betreten

Geokoordinaten:  50.71393, 7.17499

Betreuer:  Dr. Rico Schellhorn, Dr. Julia Schultz, Dr. Ulrike Anders


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Vor etwa 25 Millionen Jahren stieg im Zuge des tertiären Siebengebirgs-Vulkanismus Basalt entlang einer Spalte auf. Die mächtigen Basaltsäulen sind auch heute noch an einer hohen Steinbruchwand, der Rabenley, sichtbar (Abb. 1).

Basaltwand

Abb. 1: Blick auf die Basaltwand am Kuckstein mit den typischen Basaltsäulen. Foto: RS
 

Im Jahre 1914 wurde am südlichen Ende der Rabenley, am Fuße des Kucksteins, ein Doppelgrab (Abb. 2) gefunden. Dieses machte den Steinbruch berühmt, in dem über Jahrzehnte hinweg Basalt abgebaut wurde. In dem Doppelgrab fand man das Skelett einer jungen Frau (20-25 Jahre), und das eines älteren Mannes (55-60 Jahre). Das Alter der Funde wird auf ca. 14000 Jahre datiert und liegt somit am Ende des Eiszeitalters. Die beiden Skelette stellen die am besten erhaltenen Menschenskelette dieser Zeit in Europa dar.

 

Doppelgrab

Abb. 2: Die beiden Skelette des Doppelgrabes der Rabenley.

Foto: Georg Oleschinski

 

Neben den Skeletten fand man noch Grabbeigaben aus kunstvoll geschnitzten Knochen (Abb. 3), sowie einige Tierzähne. Außerdem enthielt das Grab mehrere Knochen eines Hundes (Abb. 4). Deutlich unterscheidbar von Wölfen galt dieser Fund lange Zeit als ältester domestizierter Hund überhaupt, bis man ältere Funde von Haushunden in Russland machte.

Grabbeigaben

Abb. 3: Grabbeigaben aus geschnitzten Knochen. Foto: Georg Oleschinski
 

Die Originale der Skelette (Abb. 2), der Grabbeigaben (Abb. 3) und die Reste des Hundes (Abb. 4) befinden sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

 

rechter Unterkiefer

Abb. 4: Rechter Unterkiefer des Hundes aus dem Doppelgrab. Foto: Georg Oleschinski
 

Das Naturschutzgebiet rund um die Rabenley lädt zu Spaziergängen ein, auf denen man weitere Hinweistafeln über die lokale Geologie finden kann, aber auch Ausblicke auf die Basaltwand und Bonn genießen kann.

Literatur:
Koenigswald, W. v. 2007. Die Rabenley bei Oberkassel. In GeoRallye – Spurensuche zur Erdgeschichte, eds. W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 252-255. Bonn: Bouvier.

 

3.) Rhöndorf, am Fuß des Drachenfels

Anfahrt von Norden aus Richtung Bonn: Auf der B42 an Königswinter vorbei, Abfahrt „Bad Honnef Ortsteil Rhöndorf“ nehmen, an der Ampel links, und nach der Unterführung wieder links in die Straße „Am Domstein“ (nicht aus Versehen die Auffahrt auf die B42 nehmen, die gleich links daneben ist!). Wenige Meter weiter bei der Abzweigung die linke Straße nehmen und parken. Hierher auch in 10 Minuten von der Haltestelle Rhöndorf der Straßenbahnlinie 66. Nun entweder rechts am Weingut Pieper vorbei die steile Treppe hinauf und nach links zum Aufschluss, oder links am Weingut vorbei bequemer, aber weiter das Weinbergsträßchen entlang bis zu einer Kreuzung und dort rechts.

Geokoordinaten:  50°39’44.49‘‘ Nord, 7°12’26.91‘‘ Ost

Betreuer:  Robert Kurzawski, Carolina Rosca


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Der Drachenfels ist ein Klassiker der Geologie im Rheinland und darf hier nicht fehlen (Abb.1). Am Aufschluss sehen Sie Trachyt, das Gestein, aus dem der Gipfelbereich des Berges besteht. Der Trachyt stieg vor 25 Millionen Jahren als Gesteinsschmelze in einem Vulkanschlot auf, erreichte aber nicht die Erdoberfläche, sondern blieb, nachdem er die Gesteine des Devon durchbrochen hatte, in der Decke aus Trachyttuff stecken, die damals das Siebengebirge bedeckte. Dort bildete sich eine Quellkuppe, das heißt eine Art unterirdischer, mit heißer Lava gefüllter Ballon (Abb. 2). Nachdem die Lava erstarrt und der Vulkanismus im Siebengebirge erloschen war, hatte die Erosion bis heute Zeit, den Trachyttuff abzutragen und auch große Teile der Quellkuppe.

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Abb. 1: Der Drachenfels, vom Rodderberg aus gesehen. Foto: N. Froitzheim

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Abb. 2: Geologische Skizze der gleichen Ansicht. „A“ markiert den Georallye-Stop. Aus Frahm et al. (2010).

Der Trachyt besteht aus einer feinkörnigen Grundmasse, in der einige Zentimeter große, plattenförmige Kristalle von Sanidin, einem Feldspatmineral, stecken (Abb. 3). Diese Kristalle wuchsen in einer tiefer unter dem Vulkan gelegenen Magmenkammer heran und wurden beim Aufstieg der Schmelze mit in die Quellkuppe hochgespült. Der Rest der Schmelze erstarrte nun schneller und kristallisierte deshalb feinkörniger aus. Der Name Trachyt kommt vom griechischen Wort trachys, das bedeutet rau. Trachyte brechen nämlich häufig an rauen Flächen auseinander. Erfahren Sie an diesem Stop mehr über den Drachenfels und sein berühmtes Gestein!

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Abb. 3: Trachyt am Drachenfels. Die Sanidinkristalle erscheinen als kurze, graue Streifen. Foto: N. Froitzheim.

Literatur:
Frahm, J.-P., Froitzheim, N., Pretscher, P., Sievers, R. & Weddeling, K. (2010): Bonn und Umgebung. Führer zu naturkundlichen Exkursionen. Bouvier, Bonn, 168 pp.

4.) Rodderberg (quartärer Vulkan)

Anfahrt von Norden aus Richtung Bonn: Auf der B9 durch Bad Godesberg durch, hinter Mehlem links abbiegen Richtung Niederbachem, gleich wieder links und gleich nochmal links auf die Hagenstrasse (L 123), dieser folgen bis Niederbachem, am Ortsanfang links in die Konrad-Adenauer-Straße (Wegweiser zur Reitanlage Broichhof), dann wieder links in die Vulkanstraße, dieser folgen bis zum Wanderparkplatz bei der Kapelle. Hier parken und nach Norden auf die Hügelkuppe gehen. Achtung: Es gibt auch in Bonn-Mehlem eine Vulkanstraße, diese ist es nicht!

Hinweis: Naturschutzgebiet, bitte die Wege nicht verlassen.

Geokoordinaten:  50°38’51.00‘‘ Nord, 7°11’22.57‘‘ Ost

Betreuer:  PD Dr. Thorsten Nagel, Nadine Conze, Florian Pohl


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Luftaufnahme Rooderberg
Abb. 1: Der Rodderberg-Krater mit dem von vulkanischer Asche und Schlacke aufgebauten Kraterwall, aus der Luft gesehen. Quelle: Archiv des Geographischen Instituts der Uni Bonn.

Auf dem Aussichtshügel und in der Nordgrube erhalten Sie einen Einblick in den Aufbau und die Geschichte des Rodderberg-Vulkans, eines „Außenpostens“ der Eifelvulkane am Stadtrand von Bonn. Anders als die 25 Millionen Jahre alten tertiären Vulkane des Siebengebirges entstand der Rodderberg in der jüngsten geologischen Vergangenheit, im Quartär vor weniger als 500 000 Jahren. Über Tage ist nur ein niedriger Wall von vulkanischem Aschen- und Schlackenmaterial aufgeschlossen, der eine abflusslose Kratersenke umgibt. Dennoch können an einigen Stellen vulkanische Prozesse anhand der Gesteine geradezu beispielhaft nachvollzogen werden. Die Rodderberg-Forschungsbohrung ist im Herbst und Winter 2011/2012 in die Tiefe des Kraterbodens vorgedrungen und hat eine 70 Meter dicke Kraterfüllung aus Lockersedimenten und darunter 90 Meter „Basalt“-Lava (genaugenommen Leuzit-Nephelinit-Lava) erbohrt. An diesem Stop erfahren sie interessante Dinge über den Rodderberg und seine Gesteine und genießen außerdem einen der schönsten Ausblicke auf Bonn und das Siebengebirge (vorausgesetzt, das Wetter stimmt).

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Abb. 2: Der Basaltgang in der Nordgrube (hellgrauer Streifen), umgeben von schwarzen Schlackebrocken. Foto: N. Froitzheim.

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Abb. 3: Die Grenze zwischen ockerfarbenem Löss (unten) und dunkelgrauer Vulkanasche (oben) markiert den Beginn des Vulkanausbruchs. Foto: N. Froitzheim

 

 

5.) Unkeler Falte

Anfahrt von Norden aus Richtung Köln/Bonn):  Auf der B 42 nach Süden, in Unkel gegenüber der Tankstelle links ab auf die L 252 Richtung Bruchhausen, nach dem Einbiegen sofort wieder rechts ab zur „Grillhütte Gerhardswinkel“ bis zum Parkplatz.

Hinweis: Bitte die Weinberge nicht betreten, beim Herangehen an die Felsen nur die bestehenden Pfade benutzen und am Aufschluss nicht hämmern.

Geokoordinaten:  7.22532/50.59670; 75 m ü. NN

Betreuer:  Dr. Frank Körner, Jani Biber und Miriam Sass


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Der Aufschluss am Westhang des Stuxberges bei Unkel ist geologisch höchst interessant, da er die Möglichkeit bietet das Rheinische Schiefergebirge beispielhaft zu studieren. Auf der einen Seite repräsentiert der Aufschluss eine typische Antiklinal-Faltenstruktur. Zum Anderen können anhand sedimentologischer und paläontologischer Merkmale die Umweltbedingungen zur Zeit der Ablagerung rekonstruiert werden. Das überwiegend aus devonischen Sedimenten und Vulkaniten aufgebaute Rheinische Schiefergebirge ist ein Teil, des im Karbon (vor ca. 330 Mio. Jahren) entstandenen Variszischen Gebirges. Heute hebt sich das Mittelgebirge aber auch wieder, wodurch sich der Rhein seit dem Tertiär tief in das Gestein einschneidet.

Zur Struktur / Tektonik der Unkeler Falte
Die Unkeler Falte ist asymmetrisch aufgebaut. Im südlichen Teil des Aufschlusses fallen die Schichten sehr flach und langgezogen nach Südosten ein (Abb. 1). Im nördlichen Teil stehen die Schichten deutlich steiler, fallen aber ebenfalls nach Südosten ein (Abb. 2). Die Schichten sind in diesem Bereich überkippt, das heißt, sie wurden bei der Faltung um mehr als 90° aus ihrer ursprünglich waagerechten Lage rotiert. Die jüngeren Schichten liegen dadurch in diesem Teil der Falte unter den älteren.

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Abb. 1: Im südlichen Schenkel der Unkeler Falte fallen die Schichten mit nur wenigen Grad Neigung flach nach Südosten ein. Foto: F. Körner

 

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Abb. 2: Im nördlichen Schenkel der Antiklinale stehen die Schichten deutlich steiler, fallen aber ebenfalls nach Südosten ein. Im linken oberen Teil des Fotos ist die Umbiegung der Schichten im Ansatz zu erkennen. Deren Fortsetzung nach Süden ist allerdings aufgrund der Erosion bzw. von Bedeckung durch Vegetation bzw. dem Weinberg nicht bzw. nur schlecht aufgeschlossen. Foto: F. Körner

 

Durch den asymmetrischen Aufbau, mit dem steilen, kurzen, überkippten Schenkel im Nordwesten und dem langen, flachen Schenkel im Südosten, erscheint die Unkeler Falte nach Nordwesten geneigt zu sein - geologisch spricht man dabei von einer Nordwest-Vergenz (Abb. 3). Sie entsteht bei Gebirgsbildungsprozessen mit gerichtetem Druck. Dabei werden die sedimentäre Deckschichten vom Grundgebirge abgeschert, gestaucht und gefaltet (vgl. Froitzheim 2007). Es entstehen groß- und kleindimensionale tektonische Strukturen: Antiklinalen/Synklinalen (Sättel/Mulden), Verwerfungen, Klüfte und in den Tonsteinen eine Schieferung. Letztere bildet sich durch Ausrichtung der plattigen Tonminale quer zur Haupt-Druckrichtung. Durch Übereinander gleiten von kompetenten („harten“) und inkompetenten („weichen“) Schichten entstanden außerdem tektonische Harnische auf den Schichtflächen (Abb. 4). In den bei der Faltung gebildeten Hohlräumen wurde teilweise Milchquarz ausgefällt, der jetzt entsprechend Risse/Adern und Klüfte ausfüllt.

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Abb. 3 (links): Schema einer nach links vergenten Antiklinale, ähnlich der Falte von Unkel mit eingezeichneten Lagen von Achsenebene, Faltenachse und Schieferungsflächen. aus: Froitzheim 2012.
Abb. 4 (rechts): Faltenstruktur mit Striemungslinearen (Pfeil) auf den Schichtflächen.- aus: Jankowsky 1955.

 

Die Umbiegung zwischen den beiden Faltenschenkeln ist teilweise erodiert bzw. durch Vegetation bedeckt (Abb. 1). Dieser Bereich wurde durch die tektonische Beanspruchung während der Faltung sehr stark zerrüttet. Das Gestein verwitterte hier schneller und es kam zur Bodenbildung. Auf diesen Böden ist heute der Weinberg angelegt.

Eine Gezeiten-dominierte Küste (Rekonstruktion der Ablagerungsbedingungen)

Die aufgeschlossenen Sedimente stammen aus der Zeit der oberen Siegen Stufe (oberes Unterdevon). Damals herrschten in diesem Gebiet flachmarine Bedingungen, mit starkem Einfluß der Gezeiten. Es bildeten sich weite, ebene, von einem tonig-siltigen Schlammsediment bedeckte Bereiche. Hier schnitten sich sandgefüllte Rinnen ein und Sandbarren wurden ablagert. Durch die von Ebbe und Flut verursachten Strömungen werden in solchen Küstenbereichen Rinnen und Sandbarren immer wieder verlagert. Der Sand wird dabei in Strömungsrichtung transportiert, es entstehen Rippeln mit einer internen Schrägschichtung (Abb. 5) wie sie in den Sandsteinen der Unkeler Antiklinale zu finden sind (Abb. 6). Durch Verlagerung der Sandbarren und -rinnen werden ältere Ablagerungen am Top immer wieder erodiert, so dass sich schließlich horizontale Sandbänke bilden.

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Abb 5 (links): Vereinfachtes Schema der Entstehung von Schrägschichtung bei gerichteter Strömung im Wasser. A) Das Sediment wird in Strömungsrichtung transportiert und baut dabei dünenartige Sedimentkörper auf - dabei handelt es sich um Rippeln, B) Die Körner lagern sich an der strömungsabgewandten Seite an, und bilden eine Schrägschichtung, C) die Rippeln wandern dabei in Strömungsrichtung.
Abb. 6 (rechts): Typische sedimentäre Schichtenfolge der Unkeler Falte: Hellgraue Sandsteinbänke mit interner Schrägschichtung in Wechsellagerung mit dünnen Lagen dunkelgrauer Ton- und Siltsteine. Letztere treten aufgrund ihrer geringen Verwitterungsresistenz deutlich zurück. Auf den Kluftflächen der Sandsteine sind dünne Beläge mit Eisen(hydr-)oxiden (gelb-orangene Bereiche) und Manganoxiden (schwarz) zu erkennen. Flach liegende Schichten im Südostschenkel der Unkeler Falte. Foto: F. Körner

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Abb. 7: Das Foto zeigt sehr schön den erosiven Kontakt zwischen zwei schräggeschichteten Sandsteinkörpern. Die Tonscherben (engl: „Mud chips“) liegen an der Basis der oberen Sandsteinrinne. Foto: F. Körner
 

Das tonig-siltige Schlammsediment wird dagegen während der Hochwasserphase als Sedimenttrübe abgesetzt und bildet so flache, dünne Lagen. Bei Niedrigwasser fällt der Küstenbereich immer wieder trocken. Das Sediment kann dann so stark entwässern, daß sich Trockenrisse bilden. Nach erneuter Überflutung wird die oberste Lage wieder erodiert, die Trockenrisse zerbrechen zu Tonscherben und werden in das Sediment eingelagert (Abb. 7).
Recht häufig enthalten die Sedimente Brachiopoden vom Typ Spiriferacea Chonetes sp. (Stets & Schäfer 2002). Sie belegen zusätzlich zu den sedimentologischen Merkmalen einen flachmarinen Ablagerungsraum.

Text: Dr. F. Körner, Universität Bonn

Literatur:
Froitzheim, Nikolaus (2007): Die Unkeler Falte am Rhein.- in: Wighart von Koenigswald & Klaus-Frank Simon: Das Buch zur GeoRallye : Spurensuche zur Erdgeschichte.- BOUVIER-Verlag Bonn, 368 S. <ISBN 978-3-416-03196-7>.

Froitzheim, Nikolaus (2012): http://www.steinmann.uni-bonn.de/arbeitsgruppen/strukturgeologie/lehre/a...

Jankowsky, W. (1955): Schichtenfolge, Sedimentation und Tektonik im Unterdevon des Rheintales in der Gegend von Unkel - Remagen. Geologische Rundschau, 44, 59-86.

Meyer, Wilhelm & Stets, Johannes (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. - Sammlung Geologischer Führer, Band 89, Gebrüder Borntraeger, Berlin, 386 S. <ISBN 3-443-15069-1>.

Stets, Johannes & Schäfer, Andreas (2002): Depositional environments in the Lower Devonian siliciclastics of the Rhenohercynian Basin (Rheinisches Schiefergebirge, W-Germany) - case studies and a model. Contributions to Sedimentary Geology, 22, 1-78.

Wanderkarte des Eifelvereins 1:25.000 – Nr. 8 Rheintal, Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz, < ISBN: 9783921805404>

Topographische Karte 1:25.000 (TK 25), Blatt 5409 Linz am Rhein, Landesvermessungamt Rheinland Pfalz, <ISBN: 9783896370082>

6.) Tönissteiner Sprudel

Anfahrt aus Richtung Bonn: B9 entlang des Rheins bis Brohl. Dort in das Brohltal Richtung Burgbrohl, Niederzissen abbiegen. An der Schweppenburg nach links zum Tönissteiner Brunnen abbiegen(ausgeschildert). Vor dem Werksgelände Besucherparkplatz.

Hinweis: Auf dem Werksgelände ist Rauchverbot!

Geokoordinaten:  N50.46271 , E7.31341

Betreuer:  Prof. Dr. Jean Thein, Natascha Kuhlmann


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Im Pönterbachtal, einem kleinen Nebental des Brohltales, erschließt der Privatbrun-nen Tönissteiner Sprudel, Mineralwasser aus einer Schiefer- und Sandsteinfolge der mittleren Siegen-Schichten des Unteren Devons, die während der Variskischen Gebirgsbildung gegen Ende der Karbonzeit zum Rheinischen Schiefergebirge aufgefaltet wurden. Das Pönterbachtal befindet sich im Südostflügel des großen Sattels von Hönningen-Seifen.

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Abfüllbetrieb des Tönissteiner Sprudel im Pönterbachtal, das tief in die Hochfläche des Schiefergebirges eingeschnitten ist. Oben links Das Rheintal.
(Foto: Privatbrunnen Tönissteiner Sprudel)

Auf dem Betriebsgelände werden die steilgestellten Siegen-Schichten von hellgrau-em Trass überlagert, einem pyroklastischen Gestein, das sich aus Glutwolken des Laacher See Ausbruchs vor ca. 12.900 Jahren bildete. Deren Ablagerungen füllten das Brohltal bis zu 60 Meter auf.

Das Mineralwasser im Pönterbachtal ist, wie viele andere Mineralwässer in der Osteifel und am Mittelrhein, an den jungen, quartärzeitlichen Vulkanismus gebunden. Nord-Süd streichende jüngere Störungs- und Kluftsysteme und Zerrüttungszonen in den Faltenscheiteln sind die Aufstiegswege für die kohlensäurereichen Wässer aus der Tiefe. Die Inhaltstoffe, die für den hervorragenden Geschmack und die ausgezeichnete Qualität dieser Mineralwässer verantwortlich sind, sind das Ergebnis komplexer Lösungs- und Mischungsprozesse von Grundwässern, in Wechselwirkung mit den grundwasserführenden Gesteinen und dem Kohlenstoffdioxid (CO2) vulkanischer Herkunft. Letzteres stammt aus der Entgasung von Magmen im oberen Erdmantel und in einer Magmenkammer die sich nur wenige Kilometer tief unter dem Laacher See befindet.
Auf dem Betriebsgelände befindet sich ein alter Heilbrunnen, der die älteste, schon von den Römern etwa 50 v.Ch. genutzte Mineralquelle in Deutschland darstellt. Rö-mische Quellsteine und zahlreiche Münzen, die beim Bau der neuen Brunnen gefunden wurden, zeugen von der mehr als 2000 Jahre langen Nutzung der Mineralwasservorkommen im Pönterbachtal. Auch in kurfürstlicher Zeit wurden die heilenden Eigenschaften dieses Gesundbrunnens geschätzt, wie die Lobpreisung des kurtrierischen Leibarztes Dr. Cohausen im Jahre 1748 auf der Tafel neben dem Brunnen eindrucksvoll belegt.

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Schaubrunnen auf dem Gelände des Tönissteiner Spru-dels. Das in großer Tiefe (der Brunnen erreicht 652 m) angebohrte Mineralwasser schießt aufgrund des hohen CO2-Gehaltes periodisch selbständig in die Höhe. Dieser sogenannte „Kaltwassergeysir“
wird nur durch die Glaskuppel daran gehindert mehrere Meter aufzusteigen.
(Foto: Privatbrunnen Tönissteiner Sprudel)

Der Name des heutigen Sprudels „Tönisstein“ leitet sich vom „Hl. Antonius dem Einsiedler“, im Volksmund auch „Toni mit der Sau“ genannt, dem Schutzheiligen eines Carmeliterklosters ab, das bis 1830 nahe am Quellgebiet stand. Aus „Antoniusstein“ wurde schließlich „Tönisstein“.

Inzwischen gibt es mehrere Tiefbrunnen im Pönterbachtal, die zur Abfüllung von Mineralwasser und der Gewinnung von CO2-Gas genutzt werden. Sie erreichen Tiefen zwischen 130 und 652 m. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Gasführung, die hydrochemische Zusammensetzung und damit auch der Geschmack der Wässer. Es handelt sich bei Innen um eisenhaltige Magnesium-Calcium-Hydrogenkarbonat-Säuerlinge, bzw. um Natrium-Hydrogenkarbonat-Säuerlinge, die sehr reich an freiem Kohlenstoffdioxid sind. Das Wasser wird als Tönnissteiner Exclusiv, Tönissteiner Classic, Medium, Naturelle und in Form vieler anderer Mixprodukte in den Handel gebracht.

Weiterführende Literatur:

Jantos, K. & Thein, J (2007): Tönissteiner Mineralwasser. - in: Koenigswald v. W. & Simon, K.-F. (eds): GeoRallye Spurensuche in der Erdgeschichte.- 306-309, Bou-vier, Bonn

Stoffels, M. & Thein, J. (2000): Die Mineral- und Heilquellen der Region Brohl-tal/Laacher See. – 74 S., Görres, Koblenz

 

7.) Devon bei Leutesdorf

Wo: Von der Hauptstrasse in Leutesdorf (B42) nach links (von Bonn aus kommend) in die Rätsgasse, diese aufwärts bis zu einer scharfen Linkskurve, dort Fußweg hoch auf den Schützenweg, diesem nach links folgen durch die Weinberge zum Aufschluss.

Geokoordinaten:  50°27'38,09''N, 7°22'31.55''O

Betreuer:  Frederik Kirst


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Oberhalb von Leutesdorf sind Gesteine der Hunsrückschiefer-Fazies des Unterdevon aufgeschlossen. Beim Hunsrückschiefer handelt es sich meist um feinkörnige, dunkle, deutlich geschieferte Gesteine, die links- und rechtsrheinisch südlich einer großen Störungszone, der Mayener bzw. Siegener Hauptüberschiebung auftreten. Teilweise treten auch Wechsellagerungen mit grobkörnigeren Sedimentgesteinen wie Silt- und Sandsteinen auf. Die Ablagerung der Sedimente erfolgte vor ca. 400 Ma in flachmarinem Milieu am äußeren Schelf des südlich des Old-Red-Kontinents gelegenen Ozeans. Als Fossilien treten im Hunsrückschiefer vor allem Echinodermen auf (z.B. Seelilien, See- und Schlangensterne).

Aussicht
Abb.1: Ausblick nach Südosten von den Weinbergen bei Leutesdorf.


Im Zuge der variskischen Gebirgsbildungsphase im Oberkarbon wurden die devonischen Gesteine verfaltet und verformt, wodurch es zur Bildung einer Schieferung kam. Diese ist in den feinkörnigen Sedimentgesteinen aufgrund des höheren Anteils an plattigen Tonmineralen stärker ausgebildet als in den grobkörnigeren Gesteinen. In Aufschlüssen mit Wechselfolgen ist daher häufig eine „Schieferungsbrechung“ zu beobachten, d.h. eine Änderung des Winkels zwischen Schichtung und Schieferung entlang von Schichtgrenzen.

Schieferbrechung
Abb.2: Schieferungsbrechung in Gesteinen der Hunsrückschiefer-Fazies.

8.) Laacher See - Geschichte des Laacher Sees

Wo: 56653 Maria Laach, gebührenpflichtiger Parkplatz am Kloster, von dort zu Fuß ca. 300 m bis zum Ufer des Sees (Anlegesteg).

Geokoordinaten:  50°24'23.67"N, 7°15'23.62"E

Betreuer:  Prof. Dr. Thomas Litt und Arbeitsgruppe Paläobotanik


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Idyllisch liegt der Laacher See eingebettet in die Waldlandschaft der Osteifel. Bei diesem friedlichen Anblick kann man sich kaum vorstellen, dass die vom Wasser gefüllte Hohlform und die Hügel ringsum von einer großen vulkanischen Eruption geformt wurden. Diese Eruption wurde für das Leben vor 13.000 Jahren zur Katastrophe, weil die mehrere Meter mächtige Bims- und Aschenschichten alles Leben im Umkreis vieler Kilometer erstickte. Die mächtigen Ascheschichten sind an der Wingertsbergwand südlich des Laacher Sees eindrucksvoll aufgeschlossen.


Abb. 1 Blick über den Laacher See vom Ostufer. Foto: WvK

 

Wie es hier unmittelbar vor dem Ausbruch ausgesehen hat, ist deswegen so interessant, weil der Ausbruch in die Übergangszeit von der letzten Kaltzeit, der Weichsel-Kaltzeit, zur heutigen Warmzeit, dem Holozän, fällt. Herrschten damals noch "eiszeitliche" oder schon "warmzeitliche" Verhältnisse?

 

Im Löss, unmittelbar unter dem Bims gelegen, wurde bei Ochtendung eine recht reiche Säugetierfauna mit vielen kleinen Säugetieren gefunden. Typisch kaltzeitliche Arten wie die Lemminge waren darin nicht zu finden. Bei den größeren Arten waren montane Formen wie Steinbock und Murmeltier neben Reh und Rothirsch vertreten. Das lässt auf ein Abklingen der kaltzeitlichen Verhältnisse und eine gewisse Bewaldung vor dem Ausbruch des Laacher See Vulkans schließen. Diese Annahme wird durch die Stämme verkohlter Bäume bestätigt, die schon vor längerer Zeit im Trass des Brohltales gefunden wurden. Sie belegen einen lichten Birken-Kiefern-Wald, der mit Traubenkirschen und Zitterpappeln durchsetzt war und eine artenreiche Krautschicht besaß (Abb. 2). Die Gewalt der Glutlawinen, der sog. pyroklastischen Ströme, knickte Bäume und Pflanzen ab, riss sie mit sich und bettete sie später ein. Die Stämme, Äste und Blätter wurden in dem mindestens 350° bis 400°C heißen Aschestrom unter Sauerstoffabschluss mehr oder weniger intensiv verkohlt. Dennoch sind Details der Rinden und Blätter, wenn auch als Abdruck, sehr gut erhalten. Selbst Blüten sind mit einer deutlichen Struktur ihrer Blütenblätter überliefert. Daher kann man aus dem Entwicklungsstand der Blätter, Blüten und Früchte den Ausbruch des Laacher See Vulkans auf den Frühsommer, etwa Anfang Juni, datieren.


Abb. 2 Die nachgewiesenen Pflanzenarten unmittelbar vor dem Ausbruch des Laacher See Vulkans. Grafik: GH

In den Jahren 1982 bis 1987 hat eine Arbeitgruppe um den Archäologen G. Bosinski vom Museum Monrepos bei Neuwied besonderes Augenmerk auf die Verhältnisse unter dem Bims gelegt. Sie grub bei Miesenheim einen, von der Vulkanexplosion umgeworfenen Wald aus, der weitgehend aus Pappeln bestand. Daneben gab es aber in der feuchten Niederung auch Birken und Weiden. Nach den überlieferten Blütenpollen dürften an trockneren Standorten vor allem Kiefern und Birken gewachsen sein. Ein kleines Steinwerkzeug, ein Federmesser, das wahrscheinlich von der Spitze eines Pfeils stammt, wurde gefunden und belegt, dass auch Menschen in diesem Wald der Jagd nachgingen.

 

In einer anderen Bimsgrube bei Miesenheim wurde das Skelett eines Elches mit einem kräftigen Geweih entdeckt. Dieses Tier ist aber nicht durch den Vulkanausbruch zu Tode gekommen weil die Geweihschaufeln von Raubtieren angefressen und die Beine fortgeschleppt waren. Der bevorstehende Vulkanausbruch hatte sich vermutlich durch Erdbeben angekündigt und Tiere und Menschen zur rechtzeitigen Flucht veranlasst. Allerdings sind auch zwischen den relativ dicht aufeinander folgenden Eruptionen Tiere über die frisch gefallene Asche gelaufen. Bei Mertloch, südlich der Autobahn Koblenz-Trier und damit etwas weiter entfernt vom Zentrum des Ausbruchs, wurden Tierfährten auf einer Aschenschicht gefunden, die durch den nachfolgenden Aschenfall konserviert wurden. An den Trittsiegeln lassen sich Hirsche oder Rehe, Pferde, ja sogar ein Braunbär nachweisen. Die Länge der Schrittgröße deutet auf ein geruhsames Laufen in verschiedenen Richtungen hin, belegt also keine panische Flucht. Als Besonderheit zeigt diese Fährtenplatte auch Spuren von Auerhahn und Birkhuhn.

 

Abb. 3 Die wichtigsten Säugetiere, die vor dem Ausbruch das Land bevölkerten. Grafik: WvK

Die Befunde aus unterschiedlichen Quellen ergänzen sich gegenseitig und zeigen, dass kurz vor den Ausbruch des Laacher See Vulkans, also vor etwa 13.000 Jahren, die kaltzeitlichen Verhältnisse weitgehend überwunden waren und der Wald begann, sich im Rheinland wieder auszubreiten.

 

Diese unter der Asche gut konservierte Momentaufnahme vom Fauna und Flora kann vorzüglich in die klimatische Entwicklung am Ende der letzten Kaltzeit bzw. dem Übergang zum Holozän eingepasst werden. Dieser Übergang erfolgte nicht gleichmäßig, sondern mit mehreren Kälterückschlägen. Dies lässt sich besonders gut an Pollenprofilen ablesen. In den feinkörnigen Seeablagerungen der Eifel-Maare und in vielen Mooren hat sich der Blütenstaub besonders gut erhalten und kann quantitativ ausgewertet werden. Dabei bildet die Aschenlage des Laacher See Ausbruchs einen gut sichtbaren Leithorizont. Demnach fällt der Ausbruch dieses Vulkans in das Alleröd, eine Wärmeschwankung im ausgehenden Weichselglazial. Damit war die Kaltzeit noch nicht zu Ende, sondern es kam danach nochmals zu einer spürbaren Abkühlung, der jüngeren Dryaszeit, die jünger ist als der Laacher See Ausbruch. Die Pollenprofile zeigen, dass der Wald nochmals fast vollständig verschwand. In dieser letzten Kaltphase wanderten nochmals sogar arktische Tierarten, wie Rentier und Lemminge ein. Erst danach - vor etwa 11.600 Jahren - verbesserte sich das Klima zur derzeit anhaltenden Warmzeit, dem Holozän.

 

Literatur:

Heumann, G. & Koenigswald, W. v. 2007. Vor dem Vulkanausbruch. - In: GeoRallye - Spurensuche zur Erdgeschichte, Hrsg.: W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 292-297. Bonn: Bouvier.

Paulick, H. & Münker, C. 2007. Laacher See Vulkan - AmWingertsberg. - In: GeoRallye - Spurensuche zur Erdgeschichte, Hrsg.: W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 280-286. Bonn: Bouvier.

Simon, K.-F. 2007. Die Trasshöhlen am Jägerheim. - In: GeoRallye - Spurensuche zur Erdgeschichte, Hrsg.: W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 286-292. Bonn: Bouvier.
 

 

9.) Devon an der Festung Ehrenbreitstein

Anfahrt von Norden:Auf der B42 bis zum Bahnhof Koblenz-Ehrenbreitstein, dort parken am Park-and-Ride-Parkplatz (rechts der Straße). Oder Anfahrt mit der Bahn (RE 8, Rhein-Erft-Express). An der Ampel die B42 überqueren und an der B42 entlang nach Norden zurück bis zur Auffahrt der Festung Ehrenbreitstein, diese hinauf bis zum Aufschluss. 10 min vom Parkplatz.

Hinweis: Bitte nicht Hämmern, bitte auch nicht versuchen, am Anfang der Auffahrt zu parken (gefährlich) oder die Auffahrt hinaufzufahren (gesperrt).

Geokoordinaten: 50°21’46,51‘‘N, 7°36’42,62‘‘O

Betreuer:  Prof. Dr. Niko Froitzheim, Katrin Wellnitz


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Die Festung steht auf Sedimentgesteinen aus dem Devon (Laubach-Schichten der Oberems-Stufe). Es handelt sich um eine Wechselfolge von Tonschiefern und Feinsandsteinen, die zum Hunsrückschiefer im weiteren Sinne gezählt werden. Durch die Faltung bei der Variszischen Gebirgsbildung sind die Schichten nicht mehr waagerecht, wie sie einst abgelagert wurden, sondern fallen steil nach Nordwesten ein (Abb. 1), und zwar sind sie überkippt, d.h. die Schichten werden nach rechts unten (Südosten) jünger. Eine solche Situation ist für das Rheinische Schiefergebirge ansonsten untypisch. Sie tritt gerade hier im nördlichen Teil der Moselmulde auf, weil die Schichten bei der Faltung oder später nach Südosten zurückgedreht wurden (Abb. 2).

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Abb. 1: Die Festung Ehrenbreitstein steht auf steilgestellten Sedimentschichten des Unterdevons. Foto: N. Froitzheim.

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Abb. 2: Profil entlang dem Mittelrhein durch das Rheinische Schiefergebirge. „A“ markiert die Lage des Stops in Ehrenbreitstein. Man sieht, wie an dieser Stelle die Faltenstrukturen und die Schieferung (dünne Striche) nach rechts, d.h. Südosten, zurückgedreht wurden. Aus Stets & Schäfer (2008).

Bestimmte Lagen im Gesteins (Abb. 3) bestehen aus den Schalen von Muscheln und Brachiopoden (Armfüßern). Es handelt sich wahrscheinlich um Tempestite, das heisst Sturmlagen. Bei Sturmfluten wurden Muschel- und Brachiopodenschalen im Strand- und Flachwasserbereich aufgewirbelt und vom ablaufenden Wasser später ins Meer hinaus mitgenommen, wo sie sich dann am Meeresboden absetzten. Mittlerweile haben sich die Stürme gelegt – es sind ja seitdem schon etwa 400 Millionen Jahre vergangen. Gelegenheit, sich bei einem Blick über den Rhein zum Deutschen Eck (Abb. 4) ein paar Gedanken über den Lauf der Zeit zu machen…

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Abb. 3: Eine Lage von Muschel- und Brachiopodenschalen in Ehrenbreitstein, die wahrscheinlich auf ein Strumereignis zurückgeht. Foto: N. Froitzheim.

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Abb. 4: Nachmittagsimpression in Ehrenbreitstein: Kaiser-Wilhem-Statue und BUGA-Seilbahn.
Foto: N. Froitzheim.

Literatur:
Stets, J. & Schäfer, A. (2008): Geologie, Paläogeographie und Beckenanalyse im Rhenoherzynikum am Beispiel des Rheinprofils (Unterdevon, Rheinisches Schiefergebirge). Decheniana, 161, 93-110.