Georallye 2014 am 13.Juli 2014 im Siebengebirge

Die Georallye 2014 findet am Sonntag den 13. Juli in der Zeit von 10-17Uhr statt. Das Zielgebiet ist dieses Jahr das Siebengebirge und die nähere Umgebung. 

Als Anlaufstellen sind vorgesehen:

  1. Fossillagerstätte Rott

  2. Rabenley: Basalt/Doppelgrab Oberkassel

  3. Niederdollendorf: Rheinschotter

  4. Weilberg: Basalt

  5. Klosterruine Heisterbach: Bausteine

  6. Stenzelberg: Latit

  7. Drachenfels: Trachyt

Klicken Sie auf die Punkte in der Karte für mehr Informationen Übersichtskarte 2014
Fossillagerstätte Rott
Rabenley in Oberkassel
Rheinschotter in Niederdollendorf
Der Weilberg - Basalt
Klosterruine Heisterbach - Bausteine
Der Stenzelberg - Latit
Der Drachenfels - Trachyt

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Die Informationen werden bis zum 13.07.2014 fortlaufend ergänzt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Ihr Georallye-Team.

Bl├Ątterkohle und Honigbiene - Fossillagerst├Ątte Rott

Anfahrt: von Bonn über die A565, auf die A59 (Dreieck Bonn-Ost), auf die A560 (Dreieck St. Augustin-West, Abfahrt Hennef(Sieg)-West, auf die L333 (Richtung Siegburg), im Gewerbegebiet links abbiegen (L331) Richtung Sportschule/Hennef-Rott. In Rott-Söven der L331 durch den Ort folgen Richtung Oberpleis. Am Ortsausgang von Rott-Söven zunächst nach rechts und dann nach links in die Blankenbacher Straße einbiegen und bis zum Kreuz vorfahren.

Hinweis:

Der Informationsstand befindet sich direkt an der Landstraße.

Die Halden des Bergbaues von Rott sind eingetragene Bodendenkmäler und dürfen nicht betreten werden.

Geokoordinaten: 32 U 378708.27 m E; 5622741.48 m N

Betreuer: Dr. Georg Heumann, M Sc. Romina Hielscher, M Sc. Anne Schubert,  Dipl.-Geol Kai Jäger

 
 


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Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im rechtsrheinischen Bonner Stadtgebiet und im angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis Braunkohlen, Ölschiefer und Blätterkohlen bergmännisch unter Tage abgebaut. Während die Spuren dieses vor- und frühindustriellen Bergbaus in unserer Region fast gänzlich verschwunden sind, erregen die Blätterkohlen und ihr Fossilinhalt bis heute das Interesse der Wissenschaftler.

 

Wie kam es zur Bildung dieser Lagerstätte?

 

Nach einer ersten Phase des Siebengebirgs-Vulkanismus (Abb. 1) breitete sich im mittleren Tertiär vor rund 25 Millionen Jahren auf den vulkanischen Aschen eine Seen- und Flusslandschaft aus. Das heutige Rheinland erhob sich damals nur wenig über den Meeresspiegel hinaus. Die Pflanzen und die Tiere dieser Landschaft wurden nach ihrem Tod in einem feinkörnigen Sediment (Faulschlamm) in einem See abgelagert. Aus diesem Faulschlamm entwickelte sich der Ölschiefer von Rott. Durch den raschen Sauerstoffabschluss im Sediment sind die Fossilien z.T. ganz vorzüglich überliefert.

 Abb. 1: Blick von Rott auf das Siebengebirge mit dem markanten Ölberg-Vulkan.

Durch die Fossilien wissen wir über die einst herrschenden Lebensbedingungen recht genau Bescheid. So kann man z.B. sichere Anhaltspunkte für das Klima zur Zeit des Sees von Rott finden. Da sowohl Blätter von Palmen wie Reste von Krokodilen gefunden wurden, muss es so warm gewesen sein, dass diese Arten überleben und sich fortpflanzen konnten. Nach der überlieferten Vegetation kann man sich einem dichten, feucht-warmen Laubwald mit Sumpfzypressen, Magnolien, Lorbeergewächsen und Palmen vorstellen, wie er heute noch in subtropischen Gebieten vorkommen. Am Ufer des Sees wuchsen Seerosengewächse und andere Wasserpflanzen.

 

Im See lebten mehrere Fischarten: Weißfische, Schleien, Stinte und Hechte. Im Gegensatz zu vielen anderen Seeablagerungen sind in Rott auch zahlreiche Wasserinsekten überliefert. In großer Zahl wurden die wasserlebenden Larven der Libellen gefunden. Viel seltener sind dagegen die zartflügeligen Insekten, die vom Land her in den See eingetragen wurden. Darunter finden sich Käfer, Termiten, geflügelte Ameisen und, als eine weitere Besonderheit, sogar Bienen. Sie zeigen an ihren Beinen die wohl ausgebildeten Körbchen zum Einsammeln des Blütenpollen (Abb. 2).

 

Abb. 2: Die Honigbiene Apis(Synapis) henshawi dormiens aus Rott mit ausgebildeten Körbchen zum Einsammeln der Blütenpollen.

Aus der Uferregion sind viele Frösche, zum Teil als Kaulquappen, überliefert, dazu Molche und sogar der Riesensalamander 'Andrias', der heute noch in Japan vorkommt. Schildkröten, Schlangen und Krokodile gehörten ebenso zur Lebensgemeinschaft wie die Vögel, von denen nur wenige Reste, besonders Federn, überliefert sind. Unter den Säugetieren gibt es ein kurzbeiniges Nashorn und eine ausgestorbene Gruppe von Paarhufern, die den Namen 'Kohlenschweine' erhalten hat, weil sie immer wieder in Kohleablagerungen gefunden wurde. Mehrere Arten kleiner Hirschverwandter, die damals alle noch keine Geweihe trugen, wurden gefunden. Von den Raubtieren, die sicher vorhanden waren, sind nur wenige Reste überliefert. Bei den kleinen Tieren sind die Hasen besonders wichtig, denn an ihrem Endwicklungsstand kann man das Alter der Fundstelle in das oberste Oligozän einstufen. Zahlreiche Zähnchen weiterer kleiner Nagetiere bestätigten diese ökologische und altersmäßige Zuordnung.

 

Die besondere Bedeutung der Fossillagerstätte Rott liegt darin, dass hier ein exzellenter Einblick in den Lebensraum eines Sees im Oberoligozän gegeben wird. Erfreulicherweise sind hier Pflanzen- und Tierreste gemeinsam überliefert. Dadurch kann der Entwicklungsstand beider Gruppen miteinander verglichen werden. Daraus folgen wiederum wichtige Anhaltspunkte für die Altersstellung anderer Fundplätze in Europa. Für die Wirbeltiere ist die Überlieferung von vollständigen Skeletten besonders wertvoll, weil viele andere Fundstellen oft nur einzelne Knochen oder Zähne geliefert haben.

 

Betrachtet man die Zusammensetzung der Fauna unter globalen Gesichtspunkten, dann fällt auf, dass die afrikanischen Gruppen (z.B. Elefanten, Affen) in der Fauna fehlen. Diese konnten erst später, nämlich erst mit dem Beginn des Miozäns einwandern, als sich die afrikanische Kontinentalplatte der europäischen hinreichend genähert hatte.

 

Heute sind fossilführenden Schichten nirgendwo mehr direkt zugänglich. Die Halden der alten Bergwerke stehen als Bodendenkmäler unter gesetzlichem Schutz. Die Fossilien von Rott werden im Stadtmuseum in Siegburg (www.siegburg.de) und im Goldfuss-Museum des Institutes für Paläontologie der Universität Bonn (www.paleontology.uni-bonn.de) gezeigt.

Literatur:

 

Falk, F. (2002): Ein vergessenes rheinisches Braunkohlenrevier – Braunkohlenbergbau unter Tage am Nordabfall des Siebengebirges. - Veröffentlichungen des Geschichts- und Altertumsvereins für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis e. V., 22, 362 S.; Siegburg.

 

von Koenigswald, W. [Hrsg.](1996): Fossillagerstätte Rott. (2. Aufl.; 110 S.) - Siegburg (110 S. Rheinlandia Verlag).

 

Mörs, Th. (1995): Die Sedimentationsgeschichte der Fossillagerstätte Rott und ihre Alterseinstufung anhand neuer Säugetierfunde (Oberoligozän, Rheinland). - Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 187, 129 S.; Frankfurt a. M.

 

 

 

Rabenley in Oberkassel

Anfahrt: 53227 Bonn/Oberkassel, am Sportplatz in der Straße "Am Stingenberg" befinden sich Parkplätze, von hier aus ca. 100m Richtung Osten über den Oberkassel Tunnel der B42 gehen und dann links das Naturschutzgebiet betreten

Geokoordinaten:  50.71393, 7.17499

Betreuer:  PD Dr. Irina Ruf, Dr. Julia Schultz. Dr. Rico Schellhorn


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Vor etwa 25 Millionen Jahren stieg im Zuge des tertiären Siebengebirgs-Vulkanismus Basalt entlang einer Spalte auf. Die mächtigen Basaltsäulen sind auch heute noch an einer hohen Steinbruchwand, der Rabenley, sichtbar (Abb. 1).

Basaltwand

Abb. 1: Blick auf die Basaltwand am Kuckstein mit den typischen Basaltsäulen. Foto: RS
 

Im Jahre 1914 wurde am südlichen Ende der Rabenley, am Fuße des Kucksteins, ein Doppelgrab (Abb. 2) gefunden. Dieses machte den Steinbruch berühmt, in dem über Jahrzehnte hinweg Basalt abgebaut wurde. In dem Doppelgrab fand man das Skelett einer jungen Frau (20-25 Jahre), und das eines älteren Mannes (55-60 Jahre). Das Alter der Funde wird auf ca. 14000 Jahre datiert und liegt somit am Ende des Eiszeitalters. Die beiden Skelette stellen die am besten erhaltenen Menschenskelette dieser Zeit in Europa dar.

 

Doppelgrab

Abb. 2: Die beiden Skelette des Doppelgrabes der Rabenley.

Foto: Georg Oleschinski

 

Neben den Skeletten fand man noch Grabbeigaben aus kunstvoll geschnitzten Knochen (Abb. 3), sowie einige Tierzähne. Außerdem enthielt das Grab mehrere Knochen eines Hundes (Abb. 4). Deutlich unterscheidbar von Wölfen galt dieser Fund lange Zeit als ältester domestizierter Hund überhaupt, bis man ältere Funde von Haushunden in Russland machte.

Grabbeigaben

Abb. 3: Grabbeigaben aus geschnitzten Knochen. Foto: Georg Oleschinski
 

Die Originale der Skelette (Abb. 2), der Grabbeigaben (Abb. 3) und die Reste des Hundes (Abb. 4) befinden sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

 

rechter Unterkiefer

Abb. 4: Rechter Unterkiefer des Hundes aus dem Doppelgrab. Foto: Georg Oleschinski
 

Das Naturschutzgebiet rund um die Rabenley lädt zu Spaziergängen ein, auf denen man weitere Hinweistafeln über die lokale Geologie finden kann, aber auch Ausblicke auf die Basaltwand und Bonn genießen kann.

Literatur:
Koenigswald, W. v. 2007. Die Rabenley bei Oberkassel. In GeoRallye – Spurensuche zur Erdgeschichte, eds. W. v. Koenigswald und K.-F. Simon, 252-255. Bonn: Bouvier.

 

Niederdollendorf: Rheinschotter

Betreuer: Prof. Dr. Martin Langer

Standort: Bootshaus Niederdollendorf

Anfahrt: http://www.owv-oberkassel.de/anfahrt

Geokoordinaten: 50°42’13‘‘N 07°10’20‘‘O



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Wer an den Ufern des Rheins eine Spaziergang unternimmt, dem öffnen sich Bücher der Geologie, die den Leser mit einer spannenden Erdgeschichte sprichwörtlich "steinreich" werden lassen. Die Rede ist von Steinen, ganz normalen Kieselsteinen, Flussgeröllen und Schottern die an den Uferbänken des Rheins zwischen Koblenz, Bonn und Köln angeschwemmt werden – und viel zu erzählen haben. Das ABC der Steinsprache, die eigentlichen Elemente der erdgeschichtlichen Zeichensprache, sind die Eigenschaften des Gesteins: Farbe, Struktur und Beschaffenheit. Sie erzählen vom Ort ihres Enstehens, ihrer Wanderung vom Fels aus dem Gebirge, ihrer Reise im Fluß und ihrer Wandlung vom scharfkantigen Schotter zum runden Kieselstein. Einige dieser "Rheingerölle" sind weit über 400 Millionen Jahre alt und haben weite Reisen hinter sich gebracht. Auf seinem Weg vom Quellgebiet in den Alpen nimmt der Rhein die Abtragungsprodukte der Gebirge als Gesteinfracht auf und transportiert sie über 1320 km weit bis in die Nordsee. Hinzu kommt die Gesteinsfracht der kleinen und großen Rheinzuflüsse die das Einzugsgebiet des Rheins auf fast 200'000 km2 anwachsen lassen (Aare, Ill, Neckar, Main, Mosel, Lahn, Sieg, Ahr, Ruhr und Lippe). Wie ein gefräßiges Ungeheuer verleibt sich der Rhein damit Gesteine aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg und weiten Teilen Deutschlands ein, um sie meist gut verdaut im hölländischen Mündungsdelta der Nordsee wieder freizugeben.
Besucher der Georallye lernen an diesem Standort die wichtigen Reingerölle  kennen.


Abb. 1 Farbenfrohes Spektrum bunter Kieselsteine vom Rheinufer bei Bonn mit Quarzgeröllen, Granit, Radiolarit, Buntsandstein, rote Eisenkiesel, Hornstein, Konglomerate, Kieselschiefern, weiße Milchquarze Tonschiefern, Quarzbrekzien, Kalkstein, Basalt, Bimsstein, Rhyolit, Trachyt und anderen Vulkaniten. Sammlung ML

Der Weilberg - eine Tulpe aus Basalt

Anfahrt: An der Straße von Oberdollendorf nach Heisterbacherrott fast auf der Kuppe liegt links der Parkplatz „Weilberg“. Von dort auf ausgewiesenem Fußweg zum Steinbruch im Weilberg

Geokoordinaten: 7.21828/50.69796; 188 m ü. NN

Betreuer: M.Sc. Kathrin Faßmer, M.Sc. Gerrit Obermüller


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(Text: Irma Schmid)

Der Weilberg, eine Basaltkuppe liegt am Nordostrand des Siebengebirges. Mit einer Höhe von 297 m
ist er eher als Hügel zu bezeichnen. Von 1891 bis 1940 wurde er durch intensiven Basaltabbau regelrecht ausgehöhlt. Bereits 1947 bemerkte der Bonner Geologe Hans Cloos, dass die Nordwand des Steinbruchs als Lehrstück für das Verhalten basaltischer Magmen gelten kann.
Besonders anschaulich tritt die Wechselwirkung zwischen basaltischem Magma und Trachyttuff
hervor. Durch genaue Beobachtung konnte er die Entstehung von Basaltgängen am Weilberg rekonstruieren. Seine Erkenntnisse sind bis heute aktuell (Abb. 1 ).

Abb. 1: Die Nordwand des Steinbruchs. Zeichnung des Bonner Geologen H. Cloos aus dem Jahr 1947.

Der Vulkanismus des Weilbergs war vor rund 25 Millionen Jahren aktiv. Damals bedeckte eine über hundert Meter mächtige Decke aus hellen Trachyt-Tuffschichten das Gebiet des Siebengebirges.
Die Tuffschichten stammten von voraus gegangenen plinianischen Eruptionen, deren Ausbruchszentrum noch nicht lokalisiert ist. In der Zeichnung (Abb. 1) sind die Tuffe gelb gehalten.
Der spätere basaltische Vulkanismus des Weilbergs begann wahrscheinlich zunächst mit strombolianischen Eruptionen, die Schlackenkegel hinterließen (ähnlich wie die Schlackenkegel in der Eifel). Aber der größte Teil des aus dem oberen Erdmantel stammenden Basaltmagmas erreichte nicht die Erdoberfläche, sondern blieb im Untergrund stecken, entweder in tieferen devonischen Schichten oder in der Tuffdecke. Im Laufe der Zeit wurden Schlackenkegel und Tuffdecke durch Erosion abgetragen. Hierdurch wurden die härteren Basaltintrusionen herauspräpariert. Sie bilden den heutigen Weilberg. Zum Aufstieg in die Erdkruste benutzte das Magma entweder Spalten,
die quer zu den Schichten des Untergrundes verliefen und erstarrte darin zu Gängen (Dykes), oder es zwängte sich in Spaltenräume zwischen den einzelnen Schichten und bildete Lagergänge (Sills).
Auch Vulkanschlote von vorausgegangenen Eruptionen dienten als Aufstiegswege. Die zylinderförmige Füllung eines solchen Vulkanschlotes nennt man Basaltstock. Das Aufdringen des Basaltes (Nephelinbasanit) kann man am Weilberg beispielhaft beobachten. Er enthält einen Basaltstock und einen Lagergang. Von der Aussichtsplattform aus gesehen, liegt der Basaltstock rechts (in der Zeichnung rechter Bildrand). Der Lagergang schließt sich links an und bildet den Hauptkörper, der im Steinbruch abgebaut wurde.


 

Abb. 2: Geborstene und verschobene Tuffschichten oberhalb des Lagergangs Unmittelbar am Kontakt mit dem Basalt ist der Tuff rot gebrannt (gefrittet). Foto: TB

 

Der Lagergang bestand ursprünglich aus einer 30 bis 50 Meter dicken Linse, die flach von Norden nach Süden anstieg. Er wurde fast vollständig abgebaut. Nur die Nordkante der „Linse“ existiert noch
und bildet die Nordwand, die man von der Aussichtsplattform aus überblickt. Die spärlichen Reste der höher gelegenen Südkante sieht man hinter der oberen Aussichtsplattform. Die Tuffschichten über
dem Lagergang sind von der Erosion verschont geblieben, weil sie im „Schatten“ des höheren Basaltstocks geschützt waren. Sie bilden eine helle Zone über dem grauen Basalt.
Als sich das 1100° C heiße Basaltmagma zwischen die horizontalen Tuffschichten zwängte, wurden diese aufgebogen und zersprangen in einzelne Schollen, die sich gegeneinander verschoben. Durch den
Kontakt mit dem heißen Magma wurde der Tuff „gefrittet“ (ähnlich wie gebrannte Lehmziegel). Die gefrittete Zone lässt sich deutlich als ziegelrotes Band erkennen, welches die Kontaktzone zwischen
Lagergang und Tuff markiert (Abb. 2).

 
Abb. 3: Die „Tulpe“ entstand, als jüngerer Basalt den Lagergang durchschlug. Foto: OS
 
Eine weitere Besonderheit ist die sogenannte „Tulpe“ in den überlagernden Tuffen (Abb. 3). Sie entstand, als der Lagergang bereits erstarrt war: Ein frischer Schub von Basaltmagma stieg in einer
Spalte auf, durchschlug den Lagergang und breitete sich im lockeren Tuff trichterförmig aus.
Damit zeigt die Nordwand des Steinbruchs im Weilberg drei Phasen vulkanischer Aktivität: 1. Plinianische Eruptionen häufen Schichten von Trachyttuff an. 2. Basaltisches Magma steigt auf, dringt zwischen die Tuffschichten ein und erstarrt zu einem Lagergang. 3. ein zweiter Schub von Basaltmagma durchschlägt den Lagergang und erstarrt zu einem schmalen Basaltgang mit der „Tulpe“.

Bausteine der Klosterruine Heisterbach

Adresse: Klosterruine Heisterbach, Heisterbacher Str., 53639 Königswinter

Betreuer: Prof. Dr. Martin Sander

Geokoordinaten: 7.214351 50.69523


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(Text: Martin Sander)

Die Ruine des Klosters Heisterbach am Nordwest-Rand des Siebengebirges legt Zeugnis ab von der Schönheit einer der bedeutendsten Zisterzienserklöster im Rheinland. Was den Betrachter traurig stimmen mag, die Zerstörung der Klosterkirche durch Abbruch im frühen 19. Jahrhundert, macht sie für die den geowissenschaftlich interessierten Besucher interessanter.


Bild 1: Ruine der Klosterkirche des Zisterzienser-Klosters Heisterbach aus der Luft. Nur der Chor ist erhalten. Bild: Wikimedia Commons, Wolkenkratzer.

Die Ruine besteht im Wesentlichen aus Teilen des Chores, der durch Abbruch und spätere Erhaltungsmaßnahmen seine Bauweise und die dazu verwendeten Steine in seltener Deutlichkeit offenbart. Hier kann man nicht nur die unterschiedlichen Verwendungsarten der Natursteine, bedingt durch ihre speziellen Eigenschaften, erkennen, sondern auch ihre Herkunftsorte in der näheren und weiteren Umgebung des Klosters. So bietet sich dieser Stop als Einstieg oder Ausklang der Georallye an.


Bild 2. Mauerwerk der Chorruine bestehend aus Latit für die Steinmetzarbeiten (links), Latit- und Basalt-Feldsteine im Sockel und vulkanischer Tuff im trockenen Teil der Wand. Photo: Martin Sander.

Die Chorruine des Klosters wird von zwei Gesteinen dominiert, dem Latit vom Stenzelberg und einem vulkanischen Tuff. Der Latit wurde für alle Bildhauer- und Steinmetzarbeiten und das Sichtmauerwerk verwendet. Der Tuff, der kleine weisse Bimsstücke enthält und sehr leicht, aber stabil ist, wurde vor allem im oberen Teil der Ruine und in den Gewölben verbaut. Außerdem finden sich einzelne Basaltbrocken in den Bruchsteinwänden, möglicherweise von der Rabenley. Die Fundamente im Bereich des ursprünglichen Kirchenportals bestehen aus Dazit. Der Trachyt vom Drachenfels wurde anscheinend kaum verwendet, die Ausnahme ist diei Grabplatte des Grafen von Drachenfels, deren Reste im Lapidarium neben der Zehntscheuer zu sehen sind.


Bild 3. Nordecke der Chorruine bestehend aus Latit für die Steinmetzarbeiten (unten) und vulkanischem Tuff für das obere Stockwerk, das verputzt war. Photo: Martin Sander.

Der Stenzelberg: Latit

Anfahrt: Von Oberdollendorf Richtung Heisterbacherrott Fast auf der Kuppe liegt rechts der Parkplatz „am  Mantel“. Zu Fuß Richtung Einkehrhaus bergauf. An der 1. Möglichkeit scharf links abbiegen und um den

Stenzelberg herum in das Steinbruchrevier.

Geokoordinaten: 7.22519/50.69133; 267 m ü. NN

Betreuer: PD Dr. Thorsten Nagel, Matthias Hauke


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Der Baustein des Klosters Heisterbach...

(Text: Irma Schmid)

Der Stenzelberg, 287 Meter hoch, liegt südwestlich von Heisterbacherrott.
Er besteht aus Latit, einem hellen quarzhaltigen Gestein.
 
Am Stenzelberg wurden 600 Jahre lang Steine gebrochen, vom Mittelalter bis 1931. Viele Kirchen
der Umgebung bestehen ganz oder teilweise aus Werksteinen vom Stenzelberg. Das beeindruckendste Beispiel ist die Ruine der ehemals mächtigen Klosterkirche Heisterbach ganz in der Nähe.  Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kuppe des Berges fast vollständig abgetragen. Dabei wurde sie nicht, wie meist üblich, durch einen einzelnen großen Steinbruch von innen her ausgehöhlt,
sondern in zahlreichen kleinen Steinbrüchen vom Rand zur Mitte hin abgetragen. Nur der Kern der Kuppe blieb als Klippe stehen, um die man heute herumlaufen kann (Abb. 1). Den Abraum kippte man meist den Westhang hinunter. Ein Teil der Abraums wurde später an der Ostseite des Berges aufgeschüttet und eingeebnet. So entstand die Wiese südöstlich des Rundweges, die früher als Sportplatz genutzt wurde.


 

Abb. 1: Der ehemalige Steinbruch auf dem Stenzelberg mit den „Umläufern“. Foto: OS
 
Latit ist ein vulkanisches Gestein, welches – wie der Trachyt des Drachenfels – aus einer Magmakammer stammt. Im Gegensatz zu Trachyt ist Latit aber weniger differenziert („gereift“) als Trachyt. Das Magma (die Gesteinsschmelze) des Stenzelbergs stieg vor rund 25 Ma aus der Magmakammer auf. Als Aufstiegsweg diente wahrscheinlich ein Vulkanschlot, den ein früherer Vulkanausbruch hinterlassen hatte. Das Magma gelangte jedoch nicht bis an die Erdoberfläche, sondern blieb als „Pfropf“ in einer Tuffdecke stecken, die vorausgegangene (plinianische) Vulkanausbrüche angehäuft hatten. Im Tuff erstarrte die Schmelze zu einer Quellkuppe aus Latitgestein.
Der heutige Stenzelberg wurde erst im Laufe der Zeit durch Erosion herauspräpariert: Die weiche Tuffdecke wurde abgetragen. Der härtere Latit wurde nur wenig erodiert und blieb als Kuppe stehen.
Der Latit des Stenzelbergs besteht hauptsächlich aus den Mineralen Feldspat, Quarz und Hornblende (ein Amphibol). Er hat eine phorphyrische Struktur: Die meisten Kristalle sind sehr klein und
erscheinen als mehr oder weniger homogene Grundmasse. In dieser Grundmasse sieht man einzelne, deutlich größere Hornblendekristalle eingebettet (Abb. 2).


 

Abb. 2: Hornblendekristalle (Amphibol) im Quarzlatit des Stenzelberges Foto: KFS
 
Die großen Hornblendekristalle entstanden in der Magmakammer, wo sie in der Schmelze langsam und ungestört wachsen konnten. Als das Magma aufstieg und schnell erstarrte, kristallisierten die restlichen Minerale der Schmelze rasch zu deutlich kleinern Kristallen aus.
Hornblendekristalle sind schwarz-glänzend und meist leistenförmig. Die schönsten Exemplare findet man an der Nordseite des Steinbruchs. Manche sind perfekt ausgebildet und bis über 2 cm groß.
Häufiger sind allerdings kleinere Exemplare zu finden, die verwittert und abgesplittert sind.
Eine Besonderheit des Stenzelbergs sind die Umläufer. Dies sind bis zu 10 m hohe, runde Säulen, meist in der Wand des Steinbruchs sichtbar. Der auffälligste Umläufer steht frei auf dem Steinbruchplateau (Abb. 3). Einige liegen auch umgestürzt auf dem Steinbruchgelände.


 

Abb. 3: Der „Campanile“, der spektakulärste Umläufer des Stenzelberges. Foto: KFS
 
Die Umläufer wurden von den Steinbrechern nicht genutzt, da sie aus minderwertigem Gestein bestehen. Der Latit der Umläufer wirkt unregelmäßig und bröselig. Die Säulen sind aus zwiebelschalenartigen Lamellen aufgebaut, die einen rauhen Kern umgeben. Einzelne Lamellen sind durch Eisenhydroxyd braun verfärbt.In den Steinbruchwänden stehen die Umläufer zwischen eckigen Latit-Pfeilern gleicher Größenordnung, die aus solidem Gestein bestehen.
Die Entstehung der Umläufer war lange Zeit unklar und ist auch heute noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Wahrscheinlich entstanden sie aus den eckigen Latitpfeilern. Durch besonders breite Spalten (Klüfte) drang Wasser ein und sickerte anschließend ins Innere der Pfeiler. Dadurch wurde der Latit im Laufe langer Zeiträume chemisch verändert.
 

Drachenfels: Trachyt

Anfahrt: Über die B 42, Abfahrt Königswinter (L 331). Weiter über Winzerstraße oder Bahnhofstraße unter der B 42 hindurch in den Oberweingartenweg zum Lemmerzbad. Von hier zu Fuß über die Drachenfelsstraße auf den Gipfel. Die Cloos-Gedenktafel befindet sich am Eselsweg unterhalb der Plattform. Alternativ: Wanderung von der Bahnhofstraße durch das Nachtigallental  zur Aussichtsplattform.

Geokoordinaten:7.21008 Ost/50.66484; 303 m ü. NN

Betreuer: M.Sc. Kathrin Schneider, Fabian Gäb


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Der Trachyt des Drachenfels – mürber Fels für Römer, Bischöfe und Bürger...

(Text : Holger Paulick & Matthias Böhm)

Der 321 m hohe Drachenfels ist der Überrest eines Vulkans im Siebengebirge der vor ca. 25 Ma aufgedrungen ist. Er gehört zu den großen Vulkanruinen, die das Zentrum des geographischen Siebengebirges bilden, und erhebt sich mit seiner Burgruine majestätisch über dem Rhein (Abb. 1). Zur Zeit der vulkanischen Aktivität gab es natürlich den Rhein in seiner heutigen Form noch nicht und das zentrale Siebengebirge zog sich vom Ölberg im Osten bis zum Wachtberg bei Berkum im Westen. Der Drachenfels besteht aus einem hellen vulkanischen Gestein, das als Trachyt bezeichnet wird. Die Bezeichnung stammt vom griechischen Wort „trachys“ für rauh oder hart. Dieses Gestein ist besonders schön am Eselsweg ein Stück unterhalb der Besucherplattform aufgeschlossen. Dort erinnert eine Gedenktafel an den Bonner Geologen Hans Cloos, dessen Forschung wesentlich zum Verständnis dieses Berges beigetragen hat.


 

Abb. 1: Blick von Mehlem auf den Drachenfels. Foto: KFS
 
Der Trachyt vom Drachenfels besteht aus einer feinkörnigen Grundmasse und bis zu 5 cm großen Sanidin-Megakristallen. Sanidine sind kaliumreiche Alkalifeldspäte (Abb. 3). Diese hellgrauen bis
beigen Kristallplatten sind durch ihre hell glänzenden Kristall- und Bruchflächen gut zu erkennen. Auch in der Grundmasse ist Sanidin zu finden, daneben Quarz und ein weiterer Feldspat (Plagioklas). Letzterer bildet häufig mehrere mm große Körner aus kleineren Einzelkristallen, die als helle Flecken im Gestein zu erkennen sind. Schließlich sind im Trachyt kleine schwarze Kristalle zu sehen, bei denen es sich meist um Biotit handelt.

Abb. 2: Entstehung der Quellkuppe des Drachenfels. Grafik: MB

Die großen Sanidinkristalle waren schon in einer tiefer gelegenen Magmenkammer gewachsen bevor sie mit dem zähflüssigen Magma nach oben mitgenommen wurden. Man geht davon aus, dass das Trachytmagma nicht an der Oberfläche als Lava ausgeflossen ist, sondern in einer Tiefe von einigen zehner Metern bis 100 m unter der damaligen Erdoberfläche in weichem Nebengestein stecken bleib, vermutlich im Trachyttuff. Als aus der Tiefe weitere Schmelze nach oben drang, blähte sich der noch plastische Magmenkörper ballonförmig zu einer so genannten Quellkuppe auf. Als Beleg für diese Interpretation dient die spezielle räumliche Anordnung der Sanidintafeln, denn diese regelten sich unter dem Druck parallel zu den Rändern der Quellkuppe ein. Diese Beobachtungen machten schon 1927 Hans Cloos und sein Bruder Ernst und schlossen aus der Raumlage der Sanidintafeln auf die Entstehungsgeschichte des Drachenfelses.


Abb. 3: Tafelige Sanidinkristalle im Drachenfelstrachyt. Sanidin ( KAlSi3O8 ) ist ein häufiges Mineral aus der Gruppe der Feldspate. Das Silikat kristallisiert im monoklinen Kristallsystem. Foto: RS
 

Sie konnten auch rekonstruieren, dass über seinem Gipfel (heute bei 321 m ü. NN) ursprünglich noch weitere 80 m Trachyt vorhanden waren, und darüber noch eine dicke Lage von dem zuvor abgelagerten Trachttuff lag (Abb. 2). Die Überdeckung und der obere Teil der Trachytkuppe wurden durch die Erosion abgetragen, so dass der Vulkanbau des Drachenfelses freigelegt wurde. Insbesondere das schnelle Einschneiden des Rheintales während des Quartär, aber auch der intensive Steinbruchbetrieb haben die markante Westflanke des Berges herausgearbeitet.
Der Trachyt wurde schon von den Römern abgebaut und für den Bau von Legionslagern und Kastellen verwendet. Am Westhang sind die charakteristischen Keilspuren vom Absprengen der Blöcke erhalten. Im Mittelalter war der Trachyt vom Drachenfels einer der beliebtesten und wichtigsten Bausteine im Rheinland, da er sich für Mauerwerk ebenso eignete wie für Verzierungen am Bauwerk. Zudem konnte das Material nach dem Abbau leicht über den Rhein transportiert werden. Der Trachyt kann noch heute in Sakral-und Profanbauten von Koblenz bis in die Niederlande gefunden werden. So bestehen etwa Teile des Historischen Rathauses und des Gürzenich in Köln, des Bonner Münsters oder des Altenberger Doms aus dem Gestein vom Drachenfels. Eine besonders wichtige Rolle spielte der Trachyt beim Bau des Kölner Doms. In der ersten Bauphase von 1248 bis 1560 wurde der Dom hauptsächlich aus diesem Material errichtet. Auch mit Beginn der zweiten Bauphase ab 1824 wurde zunächst wieder Trachyt vom Drachenfels verwendet. Der Abbau wurde allerdings 1828 eingestellt, als Teile der Burg zu Tale stürzten. 1836 wurde der Drachenfels dann als erstes Objekt auf deutschem Boden unter Naturschutz gestellt, um seinen vollständigen Abbau zu verhindern. Bei diesen Bemühungen spielte der Verschönerungsverein für das Siebengebirge eine herausragende Rolle. Gesteine die Sanidin enthalten sind besonders verwitterungsanfällig. Durch Hydrolyse entstehen aus den Kristallen Tonminerale. Die damit verbundenen Aufquellungen zermürben das Gestein, ein Problem für den Denkmalschutz.