7. Rote Sandsteine, als es heiß und trocken war! Die Katzensteine bei Satzvey

Wo: Den Aufschluss erreicht man über die A1 Abfahrt Wisskirchen in Richtung Mechernich auf der B266. Weiter von der B266 auf die L61 in südlicher Richtung über Obergartzem in Richtung Satzvey. Am Ortsausgang von Satzvey über die Gleise. Danach entlang des Veybaches in südwestlicher Richtung nach Kommern. Nach ca. 3km befindet sich ein Parkplatz an der südöstlichen Strassenseite. Von dort ist der Aufschluss über einen ca. 150m langen kleinen Wanderweg durch den Wald zu erreichen.
Vom Zugang über die Strasse ist wegen der Verkehrssicherheit unbedingt abzuraten.

Geokoordinaten: 6.68772/50.60318 265 m ü. NN Parkplatz 6.68568/50.60153

Betreuer:  Prof. Dr. Thomas Martin und Julia Schultz

Wanderkarte
Wanderkarte des Eifelverein 1: 25.000 – Nr. 5a Mechernich, Kommer


Eingesenkt zwischen den weit älteren Gesteinen des Rheinischen Schiefergebirges liegt zwischen Mechernich, Kall und Nideggen eine dreieckige Scholle mit Gesteinen aus der Trias: das Nordeifeler Trias- Dreieck . Die Felsengruppe der Katzensteine  liegt am nord-östlichen Rand dieses Dreiecks und belegt in unserem Exkursionsgebiet eindrucksvoll den Buntsandstein der unteren Trias. Die rötlich-gelben Sandsteine wurden unter einem ariden, das heißt sehr trockenen, Klima abgelagert und haben ein Alter zwischen 246 – 242 Millionen Jahren.

Katzensteine
Die Katzensteine sind mehr als ‘nur’ ein Naturdenkmal. Sie sind ein natürliches Labor
für den Geologen - die Sedimentologie kontinentaler Sandsteine ist faziell zu interpretieren
und in die Paläogeographie vergangener Landschaften  einzupassen. Foto: KFS

An den Katzensteinen ist ein Profil von etwa 10 m Mächtigkeit aufgeschlossen. Hier kann man zwei Schichtabschnitte unterscheiden, die ganz unterschiedliche Ablagerungsbedingungen anzeigen . Der tiefere Profilabschnitt ist in seinem unteren Bereich sehr feinkörnig mit vorherrschend kleinskaligen Rippeln. Daneben gibt es auch Siltsteine, in denen keine Schichtmerkmale zu erkennen sind. Weiter nach oben, also im Hangenden wird der Sandstein allmählich grobkörniger, und die Rippel- und Laminitgefüge ändern sich immer mehr zugunsten einer Schrägschichtung, die zunächst noch recht klein, jedoch lebhaft und vielgestaltig ist. Der kleinskalig rippelgeschichtete liegende Teil des unteren Schichtabschnitts lässt sich aufgrund seines Aufbaus als Ablagerung aus einem verwilderten Fluss, der Feinsand nach Norden transportierte, interpretieren.
 

Profilsäule der Katzensteine
Profilsäule der Katzensteine mit geschätzten Mächtigkeiten, darin
eingetragen die Sedimentgefüge (Rippeln, planare Schichtung,
planare und trogförmige Schrägschichtung), die zur Interpretation
des Ablagerungsmilieus notwendig sind. Grafik: AS

 

Oberer Schichtabschnitt
Oberer Schichtabschnitt des fluvialen liegenden Teils der Katzensteine. Die
Schichtungstypen nehmen allmählich eine deutlichere Struktur an, denn die
Transportenergie nimmt zu. Foto: KFS

 

Schrägschichtung
Durch Diskordanzen getrennte, trogförmige und planare Schrägschichtung in relativ grobkörnigen
Sandsteinen sind kennzeichnend für energiereiche, verwilderte Flusssysteme (planar in Strominseln,
trogförmig in Großrippeln am Rinnenboden).  Foto: KFS


Hangender äolischer Teil der Katzensteine mit ausschließlich äolischer  Schrägschichtung
– aus den Flussebenen ausgewehte Flugsanddecken  und Dünen. Foto: AS

 

Geologisches Blockbild
Geologisches Blockbild der Nordeifel. Die grün markierten Punkte entsprechen den Kapitelnummern
und den dort beschriebenen Aufschlüssen. Abbildung aus Wilhelm Meyer 1983, ergänzt

Der obere Bereich des unteren Profilabschnittes dürfte wegen der gröberen Partikel von einem Fluss stammen, dessen Transportleistung deutlich zugenommen hat. Über einer nur schwer sichtbaren Diskordanz setzt der obere Profilabschnitt ein. Er ist an den sehr großen Schrägschichtungsblättern mit signifikant geschwungenen Formen zu erkennen . Es sind kleine Sanddünen, an denen der Sand stets auf der Leeseite, der der Windrichtung abgewandten Seite, in so genannten Leeblättern angelagert wurde. Da die Felsen seit langer Zeit verwittern, treten diese Leeblätter deutlich sichtbar aus dem Gesteinsverband hervor. Alle Sedimentgefüge – ob klein oder groß – sind einheitlich nach Norden orientiert, was mit einem speziellen Geologen-Kompass leicht zu messen ist. Der Wind kam also aus südlicher Richtung, und die Sande wurden durch Winderosion aus den oberflächlich austrocknenden Flussbänken ausgeweht. Darüber hinaus wurde weiterer Sand aus südlicher Richtung angeliefert, so dass der Flugsand die liegenden fluvialen Sedimente überschichtete. Eine Lage aus 2 bis 3 cm messenden Geröllen muss als Deflationspflaster, aus dem alles feinere Material ausgeblasen wurde, aufgefasst werden . Obwohl das Nordeifeler Trias-Dreieck damals in der nördlichen Wüstenzone der Erde und somit im Passatwindgürtel mit Nordostwinden lag, vermochten die Nord-Süd-orientierten Täler der Eifel als Lokalrelief den Wind und seine Windfracht zu lenken. Daher besitzen die Sande der Flüsse und die aufgewehten Dünensande die gleiche Transportrichtung. Die verfrachteten Sande enthalten außer vorherrschend Quarz zunächst noch reichlich Feldspat, der von weither, vom granitischen Grundgebirge der Vogesen, stammt. Wegen der intensiven äolischen Aufbereitung verlieren sich die Feldspäte zum Hangenden der Schichtenfolge jedoch allmählich wieder. Die Buntsandsteinfelsen von Nideggen sind etwa gleich alt, bestehen aber weitgehend aus konglomeratischen Gesteinen, was auf andere Ablagerungsbedingungen hinweist. Am tektonisch aktiven Westrand des Nordeifeler Trias-Dreiecks hatten die Flussläufe mehr Gefälle und konnten daher größere Gerölle aus der Eifel nach Norden transportieren.

 

Dies war ein Auszug aus dem Buch :  "Georallye - Spurensuche zur Erdgeschichte"