2. Am Abgrund der Zeit - die kaledonische Diskordanz im Hürtgenwald

Wo:Auf der B 399 von Düren Richtung Monschau bis zum Ortsanfang von Vossenack (Ortsteil Germeter). Links zweigt die L218 ab, die zum eigentlichen Dorf Vossenack führt. Nicht dorthin abzweigen, sondern noch ca. 100 m weiter, dann führt rechts eine kleine Nebenstrasse (Zweifaller Weg) nach Westen in Richtung Aufschluss. Am besten gleich parken und zu Fuss weiter; von hier sind es 600 m zum Aufschluss, immer geradeaus, zuerst über Feld, dann durch den Wald.

Geokoordinaten:  N50°41’23,54‘‘ E6°20’26,60‘

Betreuer:  Prof. Dr. Nikolaus Froitzheim, Dipl. Geogr. Henrik Blanchard


Größere Kartenansicht

 


In einem friedlichen Waldtälchen auf der Ostseite des Wehenbachtals findet sich einer der faszinierendsten geologischen Aufschlüsse der Nordeifel! Hier ist die kaledonische Diskordanz zu sehen. Was bedeutet das? Eine Diskordanz entsteht, wenn Sedimentgesteinsschichten durch tektonische Prozesse, in der Regel durch Faltung, schräggestellt werden, dann teilweise abgetragen werden, und wenn dann auf der entstandenen neuen Oberfläche wiederum Sedimentgesteine abgelagert werden. Deren Schichtung schneidet die Schichtung der älteren Sedimente typischerweise schräg ab – dann spricht man von Winkeldiskordanz (Abb. 1).

abb1

 

Abb. 1: Das Entstehungsprinzip einer Winkeldiskordanz.

Wichtige Diskordanzen zeigen, dass ein Zyklus von Ablagerung, Gebirgsbildung und erneuter Ablagerung stattgefunden hat. Der schottische Naturforscher James Hutton fand und erklärte 1788 bei einer Bootsexkursion entlang der schottischen Küste als erster eine solche Diskordanz, die vom Entstehung und Versinken eines Gebirges im Erdaltertum zeugte (Abb. 2). Der Mathematiker John Playfair, der daran teilnahm, schrieb später (1805) den berühmten Satz: "The mind seemed to grow giddy by looking so far into the abyss of time." ("Dem Verstand schien davon schwindlig zu werden, so tief in den Abgrund der Zeit zu schauen".) Huttons Diskordanz belegt die kaledonische Gebirgsbildungsphase am Ende der Silurzeit vor ca. 420 Millionen Jahren– benannt nach Caledonia, dem lateinischen Namen für Schottland. Aber die kaledonische Gebirgsbildung war nicht auf Schottland beschränkt, sondern erfasste Nordeuropa bis in die Eifel – und genau hiervon zeugt die Diskordanz im Hürtgenwald (Abb. 3).

abb2

Abb. 2: Huttons Diskordanz an der Küste östlich von Edinburgh, Schottland. Senkrecht stehende Schiefer des Silur werden diskordant von Sandstein des Unterdevon überlagert.

Links im Aufschluss sieht man Schiefer mit Sandsteinlagen des frühen Ordoviziums (Tremadoc-Stufe, ca. 485 Ma Jahre alt). Rechts wird die Schichtung dieser Gesteine abrupt abgeschnitten, und zwar durch eine Schicht von Konglomerat, die etwa 45° steil nach rechts abfällt. Dieses Konglomerat stammt aus dem Gedinne, der ersten Stufe des Devons (ca. 415 Millionen Jahre alt). Hier „fehlen“ also 70 Millionen Jahre. In diesem Fall kommt noch dazu, dass alle Gesteine später, bei der Variszischen Gebirgsbildung am Ende der Karbonzeit, im Zuge von erneuter Faltung noch einmal schräggestellt wurden- deshalb liegt das Gedinne-Konglomerat nicht mehr waagerecht. Da kann es einem schon schwindlig werden…

abb3

Abb. 3: Die kaledonische Diskordanz bei Vossenack im Hürtgenwald.