1. NRWs graue Vorzeit - Ordovizium in Schevenhütte

Wo: Von der A4 Richtung Aachen fährt man an der Ausfahrt Eschweiler Ost ab und biegt nach 340m rechts auf die L11 ab, dann nach etwa 1 km links auf die B264 / Kölnerstr. Nach etwa 1km rechts halten in Richtung Wenauer Straße. Im Kreisverkehr 2. Ausfahrt nehmen. Nach etwa 3km links in die Wenauerstraße abbiegen. Hinter Heistern links auf die K49, dann rechts auf die L12 Richtung Schevenhütte. Im Ort biegt man vor dem Gasthaus Schwan links in die Nideggenerstraße ein.

Geokoordinaten:  N50° 45' 46.38" E6° 19' 46.26"

Betreuer:  Dipl. Geol. Irma Schmid, Katrin Wellnitz


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An der Straßenböschung entlang der Niddegener Straße in Schevenhütte ist eine Wechselfolge von Schichten aus dunkelgrauen bis grau-grünen Sandsteinen und Tonschiefern zu sehen, die stark verfaltet sind.

Diese Schichten sind Zeugen des Erdaltertums, als im Wechselspiel von Spaltung und Kollision längst nicht mehr existierender Kontinente Europa Gestalt annahm.

Vor etwa 480 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Ordoviziums entstanden die Schichten, die heute in Schevenhütte zu sehen sind, als Meeresablagerungen an der Küste des Mikrokontinents Avalonia. Dieser hatte sich von dem Großkontinent Gondwana abgespalten. Gondwana und Avalonia lagen damals weit südlich des Äquators. Avalonia driftete nach Norden und kollidierte vor 440 Millionen Jahren im Silur mit dem damaligen Kontinent Baltika. Avalonia/Baltika, der Kern des späteren Europas, kollidierte schließlich mit Laurentia, dem „Uramerika“, zum „Old Red“-Kontinent. (Kaledonische Gebirgsbildung).

Vor 325 Millionen Jahren im Karbon kollidierte Gondwana mit dem „Old Red“-Kontinent (Variszische Gebirgsbildung). Dabei wurden die ordovizischen Gesteinsschichten stark gefaltet und nach Nordwesten überschoben.

Entlang des einige hundert Meter langen Straßenprofils sind die Schichten aus dem Ordovizium zu erkennen, deren Faltung später im Karbon während der Variszischen Gebirgsbildung erfolgte.

Die einzelnen Schichten sind wenige Zentimeter bis etwa 0,5 Meter mächtig. In den Sandsteinbänken sind verschiedene Sedimentstrukturen zu erkennen. So sind Schrägschichtungen und feine Laminierungen zu beobachten. Es handelt sich bei der gesamten Abfolge um Turbiditablagerungen. Turbdite sind Trübeströme, die unter Wasser ( im Meer oder in Seen) einen Abhang mit turbulentem Strömungsverhalten hinabfließen.

Stratigraphisch sind die hiesigen Sedimente der Salm Formation zuzuordnen. Diese entstammt dem Unteren Ordovizium, wobei die Ablagerungen in Schevenhütte dem ältesten Teil der Salm Formation angehören (Sm1). Dies ist mit Hilfe von Fossilien der Graptolitenart Dictyonema flabelliforme belegbar.

 Eine nordvergente Falte aus einer Wechselfolge von Sandstein und Tonschiefer

Abb.1: Eine nordvergente Falte aus einer Wechselfolge von Sandstein und Tonschiefer.

An tektonischen Strukturen erkennt man nordvergente Falten (Abb.1) und Aufschiebungen. Diese fallen nach Süden ein. Zusätzlich zur Schichtung erkennt man eine Schieferung des Gesteins.

Die Falten unterscheiden sich zum Teil stark in ihrer Form. So sind die tonigen Schichten enger und stärker verfaltet als die sandigen. Auch ist im Tonstein bzw. Tonschiefer die Schieferung sehr gut zu erkennen, während dies in den grobkörnigeren Gesteinen nicht der Fall ist. Der Grund hierfür liegt unter anderem darin, dass sich die plattig aufgebauten Tonminerale und Glimmer der Tonsteinlagen entsprechend der Verformungsbedingungen leicht einregeln lassen.

 Schieferungsbrechung an Schichtgrenzen.

Abb.2: Schieferungsbrechung an Schichtgrenzen

An Schichtgrenzen ist oft eine Änderung des Verlaufs der Schieferung zu sehen (Abb.2). Diese Schieferungsbrechung hängt mit dem Materialwechsel an den Schichtgrenzen zu zusammen. Die Faltenachsen (dies sind die Umbiegungen von Falten) verlaufen West - Ost bzw. WSW - ONO.

Die Ortschaft Schevenhütte wurde im 16. Jahrhundert zum ersten mal urkundlich erwähnt. In Schevenhütte wurde bis ins 19. Jahrhundert Eisen gewonnen. Das dazu benötigte Holz, Eisenerz und Wasser waren hier in der Umgebung ausreichend vorhanden.


Quellen:

Lamens, J. (1985) Transition from turbidite to shallow-water sedimentation in the lower Salmian (Tremadocian, lower Ordovician) of the Stavelot Massif, Belgium, Sedimentary Geology; 44; 121-142


Walter, P. (2010) Sammlung Geologischer Führer Nr. 100: Aachen und südliche Umgebung; Borntraeger Gebrueder; 360 Seiten