9. Energie aus versunkenen Wäldern - Aussichtspunkt am Tagebau Inden

Wo: Von Köln/Bonn: Von der A4 Aachen/Düsseldorf bei Ausfahrt 7-Düren auf B56 in Richtung Inden/Jülich/Niederzier fahren. Nach 4,3 km links abbiegen auf die L12 (Schilder nach Langerwehe/Pier/Inden). In Pier rechts abbiegen auf die Pierer Str./L12/L257
und der Pierer Str. (geht später in die Hauptstr. über) auch außerhalb des Ortes für ca. 2 km folgen und die Beschilderung „Kleiner Indemann“ beachten.
Aus anderen südlichen Richtungen: durch Inden fahren und Beschilderung „Kleiner Indemann“ beachten

Geokoordinaten:  N 50° 51' 33,86" E 6° 21' 28,78"

Betreuer:  Prof. Dr. Thomas Litt, Priv.-Doz. Dr. Nobert Kühl


Größere Kartenansicht


Der Georallye-Standort am Tagebau Inden gewährt gleich doppelt Einblick: zum einen in die gewaltige Fördergrube, zum anderen in die Vegetation zur Zeit der Braunkohlewälder.

Tagebau Inden
Abb. Blick in den Tagebau Inden (Foto: G. Heumann)

Der Tagebau Inden ist einer der zur Zeit aktiven Braunkohletagebauen in der Niederrheinischen Bucht. Die während der Tertiärzeit vor etwa 20 Mio Jahren abgelagerten Torfschichten wurden durch den Druck der überlagernden Sedimentmassen zu Braunkohle und dienen heute als Brennstoff in Kohlekraftwerken zur Stromerzeugung. Obwohl sich die Braunkohle in über hundert Metern Tiefe befindet, wird sie oberirdisch abgebaut - im Gegensatz zum unterirdischen Stollenabbau der Steinkohle im Ruhrgebiet. Da das der Braunkohles aufliegende Sediment weich ist, ist es günstiger, die nicht kohlehaltigen Deckschichten zu entfernen und in unmittelbarer Nähe auf Abraumhalden zu lagern. In gut 10 km Entfernung nordöstlich vom Tagebau Inden befindet sich die aus dem Abraum des Tagebaus Hambach bestehende Sophienhöhe, ein über 200 m hoher Höhenzug. Beim Tagebau Inden dagegen wird das Aushubmaterial des nach Osten „wandernden“ Tagebaus größtenteils zur Verfüllung des bereits ausgebeuteten Gebiets verwendet.

Aufgrund der fossil erhaltenen Pflanzenreste lässt sich ein recht genaues Bild über die kohlebildende Flora gewinnen. Die Fossilien, zu denen Holzreste, Samen und Früchte, Blätter, und auch Pollen gehören, stammen von Pflanzen, von denen viele heute ausgestorben sind, von denen allerdings nahe Verwandte noch heute existieren. Charakteristisch für die torfbildenden Wälder sind die Sumpfzypressengewächse (z.B. Sumpfzypresse, Chinesische Wasserfichte, Sicheltanne, Schirmtanne) und der Tupelobaum. Während trockener Phasen dominierte der Mammutbaum den sogen. „Stillstandswald“. Auch Magnolien, Gagelsträucher, Lorbeergewächse und Walnussgewächse wie die Hickorynuss oder Hartriegelgewächse wie Mastixia kamen vor. Sie sind spätestens im Laufe der Eiszeiten während der letzten ca. 2 Mio Jahre vor Ort ausgestorben, existieren heute aber noch in anderen Gebieten, z.B. in Nordamerika. Viele dieser Pflanzen können unter heutigen mitteleuropäischen Bedingungen zumindest in Botanischen Gärten existieren, wovon man sich bei einem Spaziergang durch das Arboretum der Botanischen Gärten Bonn überzeugen kann.

Auch viele Gattungen, die uns in den heimischen Laubwäldern begegnen, existierten bereits. Dazu gehören unter anderem Eichen, Buchen, Ahorn, Ulmen, Erlen, und Birken. Besonders die Früchte, erlauben eine sichere Zuordnung zu diesen Gattungen. Viele der einzelnen Vertreter (Arten) der Gattungen unterscheiden sich jedoch z.B. im Blattbau so stark von den heutigen Bäumen, dass sie heute ausgestorben Arten zuzuordnen sind. Am Tag der Georallye werden Fossilien aus der Rheinischen Braunkohle vor Ort gezeigt.

Palmenblatt
Abb. Fossiler Abdruck eines Palmenblatts zur Zeit der tertiären Braunkohlebildung
 

Das Klima zur Zeit der tertiären Braunkohlewälder war wärmer und feuchter als heute. Das lässt sich direkt aus den fossilen Pflanzenresten der damaligen Vegetation ablesen – beispielsweise kamen hier seinerzeit Palmen (Sabal, s. Abb.) und Lorbeergewächse vor. Neben ausreichender Wärme und Feuchtigkeit ist aktive Tektonik eine sehr wichtige Voraussetzung für Kohlebildung. Nur wenn sich ein Gebiet stetig absenkt, können sich Sedimente großer Mächtigkeit ablagern. In der Niederrheinischen Bucht erreicht die Sedimentmächtigkeit über 1000 m, wobei das mächtigste Braunkohleflöz bis zu ca. 100 m (Tagebau Inden: bis zu 45 m) mächtig ist. Der Tagebau Inden wird noch etwa 20 Jahre aktiv sein.