4. Blick in ein Faltgebirge, die große Falte bei Schuld (Ahr)

Wo: Von Bad Münstereifel über die L165 oder durch das Ahrtal oder auf der L73 von Dümpelfeld nach Schuld. Ein Parkplatz liegt oberhalb der Kirche.
-> Bitte den Hinweisschildern folgen.

Geokoordinaten:  Parkplatz:6.88948/50.44622: 249 m ü. Die Informationen werden an Aufschluss  I gegeben:
                                         Aufschluss I: 6.88735/50.44529; 265 m ü. NN
                                         Aufschluss II: 6.88034/50.44732; 244m ü. NN

Betreuer: Dr. Mario Valdivia-Manchego

Lageplan
Wanderkarte des Eifelvereins 1:25.000 - Nr. 9 Das Ahrtal


An den steilen Talhängen um Schuld sind zum Teil in beeindruckender Weise sowohl die Sedimentstrukturen, die sich vor 390 Ma in einem flachen Meeresbecken gebildet haben, wie auch der Faltenbau, der ca. 5 – 6 Ma später entstand, freigelegt. Im Folgenden werden zwei Standorte direkt bei Schuld beschrieben. Zusätzliche Informationen zu weiteren Standorten und Vorschläge zu Wanderrouten findet man unter www.geopfad-schuld.de

Die Ortschaft Schuld liegt an einer großen Mäanderschleife der oberen Ahr. Wie andere Flüsse hat auch die Ahr seit dem ausgehenden Tertiär (seit 5 Ma) die Hebung des Rheinischen Schiefergebirges schrittweise ausgeglichen und sich etwa 150 m tief in die gefalteten Sedimente des Unterdevons eingeschnitten. Von den Panoramapunkten um Schuld hat man eindrucksvolle Ausblicke auf das Ahrtal und die hochgelegenen Verebnungsflächen auf 380 bis 400 m Höhe. Die Kirche von Schuld, der römische Gutshof und die Burg bei Insul stehen auf einer niedrigeren Verebnungsfläche bei 260 – 270 m ü. NN und somit etwa 30 m über dem heutigen Flussniveau. Es handelt sich dabei um das Niveau der etwa 150.000 Jahre alten Mittelterrasse der Ahr. Seitdem schneidet sich der Fluss durchschnittlich etwa 0,2 mm pro Jahr in den sich hebenden Untergrund ein.

Ausgangspunkt für den ca. einstündigen Spaziergang ist der Parkplatz oberhalb der Kirche von Schuld. Vom Parkplatz aus führt ein Weg auf der gegenüberliegenden Straßenseite zunächst in Richtung Wallfahrtsweg durch eine Wiese den Hang hinauf. An der Wegkreuzung nach rechts auf den Ahrtalweg (A) abbiegen, der Weg führt an einen Steilhang und links liegt bereits der erste Aufschluss.

Aufschluss I:
Sandige Schichtenfolge des Unterdevons (unteres Siegen)
Deutlich zu erkennen sind die härteren graubraunen Sandsteinbänke und die weicheren dunkleren Zwischenlagen aus feinsandigen bis tonigen Lagen (Abb. 16.1). Die Schichtenfolge ist hier relativ flach nach Südwesten geneigt, also nur wenig tektonisch verstellt. Aber wie entstand diese wechselnde Ablagerung von Sanden und Tonen?

 

Sandsteinbänke
Sandsteinbänke südlich der Ahr bei Schuld – abgelagert in einem flachen
Meeresbecken. Foto: MVM

Die Sedimente wurden am Nordrand eines flachen Meeresbeckens abgelagert. In diesem Becken setzte sich unter normalen Bedingungen die Trübe der weiter nördlich in das Becken mündenden Flusssysteme ab und es bildeten sich die tonigen bis siltigen dunkelgrauen Schichten. In unterschiedlichen Zeitabständen wurden feinsandige Sedimente von der Küste im Norden den flachen Hang hinab in das Becken geschüttet. Die Feinsande wurden zum Teil über Flussdeltas weit in das Becken transportiert und dort abgelagert. Nach den Sandschüttungen, die an stärkere Strömungen gebunden waren, wie vielleicht Starkregenereignissen im Hinterland, lagerten sich im ruhigen Wasser erneut tonige Sedimente ab und es entstand die heute sichtbare Wechselfolge aus Ton- und Sandsteinen, die als Siegener Normalfazies bezeichnet wird. Die Sandsteine bestehen im Wesentlichen aus feinen Quarzkörnern, mit unterschiedlichen, aber deutlich niedrigen Anteilen an Glimmer. Sie wurden in der Region gerne als Baustein verwendet. Bei genauer Betrachtung ist zu erkennen, dass einige Sandsteinbänke eine innere Schichtung aufweisen. Zum Teil gibt es schräge Lagen, auch Schrägschichtung genannt, aber auch schichtparallele laminare Schichtung ist sichtbar. Beide Merkmale deuten darauf hin, dass der Sand in strömendem Wasser abgelagert wurde.

Dabei erzeugen hohe Strömungsgeschwindigkeiten die laminare Parallelschichtung. Bei mittleren Strömungsverhältnissen entsteht die Schrägschichtung. Dabei wird der Sand durch die Wasserströmung in Form von Dünen transportiert. Die Dünen wandern in Strömungsrichtung durch Sedimentabtrag an der strömungszugewandten Seite und Ablagerung im Strömungsschatten. Die Schrägschichtung selbst bildet dabei den Dünenhang im Strömungsschatten ab und erlaubt eine Rekonstruktion der ursprünglichen Strömungsrichtung. Im Aufschluss wäre diese in etwa von links nach rechts oder von Norden nach Süden. Die einzelnen Bänke sind bis zu einem halben Meter mächtig und stellen einzelne Sandschüttungen zum Teil unter wechselnden Strömungsverhältnissen dar. Die einzelnen Sandschüttungen schnitten dabei teilweise rinnenförmig in den lockeren Sand der vorhergehenden Schüttungen ein. Als die Strömung nachließ, setzte sich die Schwebfracht auf den Sanden ab und bildete so die feinkörnigen Lagen zwischen den Sandsteinbänken. Dem Wanderweg folgend verlässt man den Wald und kommt auf einen Wiesenhang. Beim Ausblick nach Norden auf den Südhang der Branderhardt zur Ahr hin, fallen zwischen den Bäumen und Sträuchern die nun steil stehenden Schichten auf. Die Sedimente, die ursprünglich nahezu horizontal abgelagert wurden, sind nach ihrer Verfestigung durch eine von Südosten nach Nordwesten gerichtete Einengung im Zuge der variszischen Gebirgsbildung gefaltet und dadurch verstellt worden. Die härteren verwitterungsresistenten Sandsteinbänke treten hervor, die tonigeren Lagen hingegen zurück. Die Abfolge zeigt aus der Entfernung eine im Wesentlichen tonige bis feinsandige Wechselfolge mit einigen durchhaltenden schmalen Sandsteinbänken. Im Vergleich zum Aufschluss 1 sind die Sandsteinbänke geringmächtiger und die Tonlagen häufiger. Während sich die Sande relativ rasch abgelagert haben, vielleicht schon innerhalb weniger Tage, benötigen die tonigen Sedimente für ähnliche Mächtigkeiten deutlich längere Zeiträume, die in der Größenordnung von Jahrtausenden liegen. Der höhere Anteil an Tonlagen zeigt, dass wir uns vom ufernahen Delta mit seiner Sandfracht aus den Flüssen im Hinterland aus, weiter ins Becken bewegt haben oder auch eine Verlagerung der Deltaarme im Norden stattgefunden hat.
 

Aufschluss II:
Faltenumbiegung an der Brücke über die Ahr
 

Faltenbiegung an der L73
Faltenumbiegung an der L 73 westlich von Schuld, Blick nach Norden von
der Brücke über die Ahr. Foto: MVM

Den Hang hinunter, durch das Gewerbegebiet, gelangt man auf eine Brücke über die Ahr. Der Blick auf die gegenüberliegende Seite des Flusses zeigt im oberen Bereich des Hanges, die schon zuvor gesehene steil stehende Wechselfolge. Die Schichten biegen kurz oberhalb der Strasse nach links (Nordwesten) beinahe rechtwinklig um (Abb. 16.4). In der Faltenumbiegung sind die harten Sandsteinbänke gebogen worden. Dabei wurden die Sandsteinschichten gegeneinander verschoben, ähnlich wie die Seiten beim Umbiegen eines Telefonbuches. Die Tonsteine dazwischen sind zerschert (geschiefert) und zerfallen in kleine Griffel. Der Hauptstrasse nach rechts folgend kehrt man nach Schuld zurück. Auf dem Weg wird auf etwa 300 m die steil stehende Wechselfolge von Ton- und Sandsteinen von oben nach unten durchschritten. Über die Brücke gelangt man schließlich zurück zur Kirche und hat auf dem Weg dorthin vielleicht noch Gelegenheit in einer der Gasthöfe einzukehren und auf deren Aussichtterrasse die geologische Entwicklung um Schuld noch einmal Revue passieren zu lassen.

 

Dies war ein Auszug aus dem Buch :  "Georallye - Spurensuche zur Erdgeschichte"