7. Durch die Wüste - Buntsandstein in Kall

Wo: A1 Richtung Trier, Abfahrt Wisskirchen, B266 Richtung Kall, Abfahrt Kall, L105 bis Kall-Zentrum, im Kreisverkehr in Kall auf die L204 in Richtung Gemünd abbiegen, nach ca. 1,2 km ist auf der rechten Seite, gegenüber einer Kläranlage, ein Parkplatz. Von dort kann man zu Fuß in Richtung Kall zurückgehen und zahlreiche Gesteinsaufschlüsse entlang der Landstraße 204 besichtigen.

Geokoordinaten: N50° 32' 39.876" E6° 33' 18"

Betreuer:  Prof. Dr. Jean Thein, Dipl. Geol. Natascha Kuhlmann, BSc Hannah Lieder-Wolf


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Entlang der Landstraße von Kall nach Gemünd, sind ab dem Eisernen Kreuz, am nordöstli-chen Ortsausgang von Kall, rote Felsklippen aufgeschlossen. Es sind geröllführende Gesteine mit einigen Sandsteinbänken. Sie wurden in der Zeit der unteren Trias, dem Buntsandstein gebildet. Dieser gliedert sich in der Nordeifel in den Mittleren und Oberen Buntsandstein, die gemeinsam im Raum Kall, im Zentrum der so genannten Mechernicher Triasbucht, eine Mächtigkeit von über 150 m erreichen. Diese Schichten sind etwa 245 Mio. Jahre alt. Sie la-gern unmittelbar auf gefalteten Schichten des Devons (ca. 410 – 390 Mio. Jahre).

Eine Flussrinne schneidet sich in den Sandstein
Abb. 1: Die Schrägschichtung im geröllführenden Sandstein erlaubt
die Rekonstruktion der Strömungsrichtung des ehemaligen
Flusssystems. Eine Flussrinne (oben) schneidet sich in den
Sandstein ein und hinterlässt ein ungeschichtetes Konglomerat.

Bereits aus der Ferne ist ein Wechsel von grobkörnigen Lagen und zwischengeschalteten fei-ner körnigen Sandsteinbänken zu erkennen. Deutlich sichtbar ist ein Horizontal- und Schräg-schichtungsgefüge, welches ein altes Flusssystem der Triaszeit widerspiegelt. Die grobkörni-gen Schichten, deren meist gut gerundeten Komponenten (so genannte Gerölle) Durchmesser von mehreren Dezimetern erreichen können, werden als Konglomerate bezeichnet. Sie beste-hen überwiegend aus grün/grauen Quarziten und weisen ein Alter von > 500 Mio. Jahren (O-beres Kambrium) auf. Als Liefergebiet kommen die Ardennen in Frage. Andere Bestandteile sind eckig bis kantengerundet und stammen aus der näheren Umgebung der Eifel; sie beste-hen aus devonischen Sandsteinen und aus Gangquarzen.

Die feinkörnigeren Sande, sind zwischen den einzelnen Geröllen eingelagert und können dort auch einzelne Sandsteinlinsen bilden.

Das Bindemittel in den Konglomeraten bildet ein roter – gelblichbrauner, mittel- bis grobkör-niger Sand. Dieses Bindemittel stammt aus südlichen Regionen, wie der Trierer Bucht oder dem heutigen Pariser Becken.

Meißelspuren zeigen den Abbau von festen Sandsteinbänken durch die Römer
Abb. 2: Meißelspuren zeigen den Abbau von festen Sandsteinbänken durch die Römer

Die Sandsteinbänke zwischen den Konglomeratlagen sind aus mittel- bis grobkörnigen, gut gerundeten Quarzen und einzelnen Gesteinsfragmenten aufgebaut. Die Körner sind meist von einem feinen Eisenoxidhäutchen (Hämatit) überzogen. Dieses Mineral verleiht dem Gestein seine rötliche Farbe. Die gelblich braune Farbe ist auf das Eisenmineral Goethit zurückzufüh-ren. Außerdem sind die Sandsteine zum Teil stark verkieselt und damit fester. Diese Bänke eignen sich hervorragend als Baustein. Die Römer haben diese Gesteine für Bauzwecke ge-nutzt, wie Bearbeitungsspuren deutlich zeigen. Mineralanalysen und die Messungen der Schrägschichtung erlauben dem Geologen, die Ablagerungsbedingungen und die Entste-hungsgeschichte dieser Gesteine zu rekonstruieren. Zur Zeit des Mittleren und Oberen Bunt-sandsteins war die Nordeifel ein Senkungsgebiet, das die Eifeler Nord-Süd-Zone verband. Im Westen und im Osten wurde sie durch die Hochgebiete der Ardennen und das Rheinische Schiefergebirge begrenzt. Das Klima war semiarid. Bei periodisch auftretenden, zum Teil starken Regenfällen wurde Gesteinsmaterial aus den angrenzenden Hochgebieten durch ver-wilderte Flusssysteme (braided rivers) ins Ablagerungsgebiet transportiert und dort abgela-gert.

Neben dem Transport durch Flüsse wurde ein Teil der Sande durch Winde (äolisch) transpor-tiert und in Form von Dünen abgelagert.

Ausgewählte Literatur:

Franz, S.- O. (2008): Das Eiserne Kreuz bei Kall. – in: v. Koenigswald, W. & Simon, K. : Georallye- Spurensuche in der Erdgeschichte.- S. 106-109, Bouvier Verlag Bonn

Meyer, W. (1994): Geologie der Eifel. 3. Auflage. - 618 S. Schweizerbart’sche Verlagshandlung, Stuttgart

Ribbert, K.H. (2010): Geologie im Rheinischen Schiefergebirge, Teil 1: Nordeifel.-184 S. Geologischer Dienst NRW, Krefeld