5. Vom Korallenkalk zum Zement - Steinbruch Sötenich

Wo: A1, bis Nettersheim. Bei Zingsheim über die L 206 Richtung Kall. Nach ca. 5 km links nach Urft. Am Ortseingang nach rechts Richtung Sötenich-Kall (L 204). Vor dem Ortseingang von Sötenich Steinbruchzufahrt rechts hinter einer scharfen Rechtskurve (großes Kalkwerk).

Geokoordinaten: N50° 31' 16.752" E6° 33' 51.48"

Betreuer:  Prof. Dr. Martin Langer und Prof. Dr. Jes Rust


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Heutige Korallenriffe benötigen flaches, tropisch-warmes Meerwasser um optimal wachsen zu können, deshalb liegen die meisten großen Riffe, wie z. B. das ca. 3.000 km lange, australische Große Barriereriff, zwischen dem 28. Grad nördlicher und südlicher Breite. Wahrscheinlich waren auch die devonischen Riffe an grundsätzlich ähnliche Umweltbedingungen gebunden, aber bei aller Ähnlichkeit mit heutigen Korallenriffen wurden die Riffe des Devons doch von ganz anderen Korallen und weiteren Organismen aufgebaut.

Einzelkoralle
Einzelkoralle (Calceola sandalina) mit Deckel, die auf weichem Meeresboden liegend lebte. Foto: GO

Damit ein Riff überhaupt entstehen kann, müssen kalkabscheidende Tiere – die Riffbauer - ein haltbares Gerüst liefern, dass auch stärkeren Strömungen und Wellengang widersteht. Erst danach können sich weitere Organismen – die Riffbewohner – ansiedeln, die im Riffgerüst eine Vielzahl von Lebensräumen finden. Zu den wichtigsten Riffbauern des Devons gehörten die Stromatoporen, die neuerdings in die Verwandtschaft der Schwämme gestellt werden. Je nach Standort und Strömungsenergie im ehemaligen Riff können sie ganz unterschiedliche Formen annehmen (Fladen, Knollen, Krusten, Äste). Die Korallen waren mit zwei heute ausgestorbenen Gruppen am Aufbau der devonischen Riffe beteiligt. Die „rugosen Korallen“ bildeten häufig einzeln stehende Kelche, aber auch ästige Formen oder lockere Korallenstöcke und kamen an verschiedenen Standorten im Riff vor. Auf weichen Böden siedelte die für das Mitteldevon der Eifel typische „Pantoffelkoralle“ . Die „tabulaten Korallen“ bildeten stets Kolonien und kommen oft in Form von halbkugeligen oder fladenförmigen Gebilden vor.

Im flachen Wasser siedelten an manchen Stellen ganze Wälder von Seelilien, die heute außerordentlich selten sind. Sie gehören zu den Stachelhäutern und sind z. B. mit den Seeigeln und Seesternen verwandt. In den Ablagerungen des Eifel-Devons findet man oft zu Tausenden ihre scheibchenförmigen Stielglieder. Häufige Fossilien sind ferner die sogenannten Armfüßer, die mit ihren zweiklappigen Schalen den Muscheln ähneln. Tatsächlich gehören sie aber in die Verwandtschaft der Moostierchen und Hufeisenwürmer. Die meisten Armfüßer der devonischen Riffe lebten festgewachsen auf dem Untergrund und filterten Nahrungsteilchen aus dem Meerwasser. Auch eine ausgestorbene Gruppe der Gliedertiere – die Trilobiten – sind gelegentlich in den Ablagerungen vertreten. Gelegentlich kann man in den Ablagerungen der Eifeler Devonriffe auch frühe Vorfahren des Nautilus sowie Schnecken und Muscheln finden.

Cyrtoceras
Ein recht vollständiges Gehäuse von Cyrtoceras aus dem
Mitteldevon der Eifel. Die Wohnkammer (oben) ist verdrückt. Der
gekammerte Teil ist gut zu erkennen, weil die äußere aragonitische
Schale aufgelöst ist. Foto: GO

Die frühen Nautiloideen weichen in ihrer Gehäuseform noch recht deutlich vom heutigen Nautilus ab. So ist die gekammerte Schale (Phragmokon) der relativ großwüchsigen Gattung Cyrtoceras nur schwach eingekrümmt und verjüngt sich in ihrem hinteren Abschnitt, so dass sie der Form nach einem Horn ähnelt. Ob diese Tiere ein bodennahes Leben geführt haben oder wie der heutige Nautilus im freien Wasser lebten ist nicht mehr zu entscheiden. Untersuchungen der Stabilität der Gehäuse in Bezug auf den Wasserdruck und die daraus abzuleitende maximale Tauchtiefe zeigen indes, dass die meisten fossilen Nautiloideen Schelfgebiete oder die oberen Bereiche der Hochsee bewohnt haben. Auch eine Rekonstruktion der ehemaligen Schwimmposition ist bei fossilen Nautiloideen in manchen Fällen durch Erhaltung der ursprünglichen Färbung möglich. Bei einseitig gefärbten Gehäusen war die Musterung vermutlich nach oben orientiert und diente der Tarnung gegenüber Räubern, so wie es auch vom rezenten Nautilus bekannt ist. In den mitteldevonischen Ablagerungen im Kalksteinbruch südlich von Sötenich können eine Vielzahl der charakteristischen „Riff-Fossilien“ gesammelt werden. Dabei lohnt es sich vor allem auf kleine Funde besonders zu achten, die oft sehr gut erhalten sind und durch Regenwasser in großer Zahl aus dem verwitterten Gestein ausgespült werden. Wie in jedem Steinbruch gilt es aber auch hier, bestimmte Verhaltensregeln dringend zu beachten: Das Klettern in den Steilwänden des Steinbruchs ist sehr gefährlich und deshalb grundsätzlich nicht gestattet – Fossilien sind dort ohnehin nicht zu finden.

Typische Korallen
Typische Korallen, Armfüßler und Seelilien-Stielglieder aus dem Mitteldevon des
Steinbruchs in Sötenich. Foto: GO

 

Dies war ein Auszug aus dem Buch :  "Georallye - Spurensuche zur Erdgeschichte"