6. Auf diesem Felsen... - Kohlenkalk im Hof der Stolberger Burg

Wo: Von der A4 Richtung Aachen fährt man an der Ausfahrt 5a-Eschweiler-West Richtung Eschweiler/Stolberg auf die Rue de Wattrelos und weiter auf der Odilienstraße/K15. Nach etwa 2,5 km dann rechts halten auf die Strasse Pumpe/L238 und nach 3,1 wieder rechts halten auf der Europastraße/L221. Nach 1,7 km links abbiegen zur An der Krone, in die man gleich nach 15 m rechts einbiegt und der man ca. 300 m folgt. Dann links abbiegen auf die Aachener Strasse (später Burgstrasse) und nach etwas mehr als 100 m links auf die Klatterstrasse abbiegen nach ca. 60 m liegt rechter Hand die Burg Stolberg.

Geokoordinaten: N50° 46' 0.84" E6° 13' 58.116"

Betreuer:  Dr. Thomas Tütken, Philipp Hermann


Größere Kartenansicht


Kalksteine des Oberen Kohlenkalks aus dem Gemeindesteinbruch Stolberg sowie dem Steinbruch Burgstüttgen dienten als Bausteine für die Errichtung der Stolberger Burg. Die heutige Burg wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts auf älteren Burgfundamenten einer Vorläuferburg aus der Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet. Unterhalb der Burg stehen schräggestellte, gebankte Kohlenkalke unterkarbonischen Alters an (Abb. 1).

Schräg gestellte Kalksteinbänke des Kohlenkalks im Hof der Burg Stolberg

Abb. 1. Schräg gestellte Kalksteinbänke des Kohlenkalks im Hof der Burg Stolberg, welcher auch für die Errichtung der heutigen Burg im 19. Jh. als Baustein genutzt wurde.

 

Die Kohlenkalke sind ca. 340 Millionen Jahre alte steinerne Zeugen der Erdgeschichte. Der Geologe kann in den Gesteinschichten lesen quasi wie in einem Buch. Damals war die Region Teil eines durch viele Schwellen und Inseln gegliederten, flachen Schelfmeeres, das sich von Südengland über Belgien bis weit nach Norddeutschland erstreckte und eine ausgedehnte Kohlenkalkplattform bildete. Das Sediment, aus dem die Kohlenkalke hervorgingen, wurde während des Erdzeitalters des Unterkarbons (Visé) im Meer zunächst als feinkörniger Kalkschlamm abgelagert und hat sich über die Jahrmillionen zu Kalkstein verfestigt. Bei der variskischen Gebirgsbildung im Oberkarbon wurden die Kalksteinschichten aus ihrer horizontalen Lagerung verstellt und fallen nun mit ca. 40° nach Nordwesten hin ein. Kohle findet sich - anders als der Name vermuten lässt - im Kohlenkalk allerdings nicht. Ein hoher Anteil an organischer Substanzen (5-10%), der unter den sauerstoffreien Ablagerungsbedingungen am damaligen Meeresgrund erhalten blieb und eingelagert wurde, gibt dem Kohlenkalk aber seine im frischen Bruch dunkelgraue Farbe und den Namen.

Abgebaut wurde der grau-bläulich verwitternde Kohlenkalk vor allem als harter Naturwerkstein (Aachener Blaustein) und diente auch als Baustein für die Burg Stolberg. Er wurde aber auch als Rohstoff für die Herstellung von Branntkalk genutzt. Die Kalksteinbänke bestehen aus Kalkmaterial in unterschiedlichen Korngrößen enthalten aber keine erkennbaren Fossilien. Im Aufschluß ist eine sedimentäre Brekzie aus eckigen und runden Kalksteinbruchstücken in einer kalkig-mergeligen Matrix eingeschaltet zwischen intakten Kalkbänken. Diese Sedimentstruktur einer solchen schichtgebundenen Brekzie deutet auf eine Ablagerung und teilweise Wiederaufarbeitung des schon verfestigten Kalksediments bei ansteigendem Meeresspiegel hin. Während der Ablagerung der Kohlenkalke kam es wiederholt zu einem Meerespiegelanstieg und –abfall. Die Kalksteinschichten unterhalb der Burg Stolberg liefern durch ihre Zusammensetzung, Textur und Lagerungsverhältnisse Informationen über geologische Prozesse, die hier im Stolberger/Aachener Raum während des Unterkarbons abgelaufen sind. Diese werden vor Ort genauer erläutert und Fragen beantwortet.


Quellen:

Walter, R. (2010) Aachen und südliche Umgebung Nordeifel und Nordost-Ardennen. Sammlung Geologischer Führer, Band 100. Gebr. Borntraeger (Berlin, Stuttgart), 360 S.